Easy-to go SPS-Korallen

Was sind „SPS Korallen“ und warum will sie jeder haben?

SPS steht für „small polyp scleractinians“, also auf Deutsch „kleinpolypige Steinkorallen“. Diese erfahren seit den 90er Jahren und der Einführung der Ballingmethode sowie von Calciumreaktoren einen absoluten Hype in der Meerwasseraquaristik. Zum Einen liegt dies sicherlich am Reiz des „Schwierigen“, denn SPS gelten als die am schwersten zu haltenden Steinkorallen. Außerdem besitzen sie durch ihre typischen Wuchsformen, knalligen Farben und kleinen Polypen doch ein ganz andere Wirkung im Meerwasserbecken als die bekannten und zu früheren Zeiten deutlich weiter verbreiteten Weichkorallen und LPS („large polyp scleractinians“). Aufgrund der häufig geringeren Nesselkraft sind sie zudem deutlich dichter nebeneinander zu platzieren als LPS, was zum Teil wahrhaft bombastische Riffgestaltungen zulässt. Zudem wachsen SPS schneller als LPS. Übrigens: eine klare Grenze in der Polypengröße ist zwischen LPS und SPS nicht festgelegt, da es sich bei den Begriffen mehr um aquaristische Laiennomenklatur als korrekte wissenschaftliche Systematik handelt. In der Tat verläuft die Grenze zwischen beiden Kategorien aber sehr fließend und sogar zwischen einzelnen taxonomisch definierten Steinkorallenfamilien und -gattungen hindurch. Manche Steinkorallen sind eigentlich gar keiner der beiden Kategorien eindeutig zuzuordnen (z.B. Gonioporas).

Trotz der grundsätzlich hohen Ansprüche an Störmung, Wasserqualität und Licht sind SPS aber eben gerade seit der Einführung von Methoden zur Stabilisierung des Calcium- und Karbonathaushalts im Meerwasserbecken gar nicht mehr unbedingt so schwer zu pflegen. Insbesondere einige Gattungen unter den SPS sind sogar absolut einsteigertauglich, da sie keine extrem hohen Anforderungen an Strömung und Bleuchtungsstärke haben. Zudem verkraften Sie zum Teil auch einmal schwankende Wasserwerte. Dass alle SPS nur unter einem Phosphatwert von 0,01 mg/l und einem nicht messbaren Nitratwert wachsen, ist zudem ein überholter Irrglauben. Manche extrem erfahrenen Meerwasserquaristen halten tolle SPS Becken mit Phosphatwerten jenseits von 2.0-3.0 mg/l (sehr lehrreich ist z.B. dieser Vortrag von Richard Ross von der MACNA 2014: https://www.youtube.com/watch?v=ZRIKW-9d2xI). Bei den Wasserwerten kommt es vor allem auf Stabilität und Kontinuität an.

Sicher ist jedoch, dass manche SPS Spezies deutlich verträglicher zu halten sind als z.B. viele Acroporas. Diesen speziellen SPS Korallen ist der aktuelle Blogartikel gewidmet.

Einfach zu pflegende SPS-Korallen

Montipora

Montipora gilt gegenüber der zweiten wichtigsten SPS-Gattung aus der Familie der Geweihkorallen („Acroporidae“), den Acroporas, als die einfacher im Aquarium zu pflegende Gattung. Es gibt derzeit 89 gültige Monti-Arten. Sie wachsen in unterschiedlichsten Wuchsformen, häufig auch blattförmig (foliös) oder riffbedeckend krustenartig – eine Besonderheit, die nur wenige Acroporas bieten. Die Wachstumsraten sind unterschiedlich, einige Monits wachsen jedoch extrem schnell. Gegenüber Acroporas haben Montis den Vorteil, dass sie auch in recht unreifen Becken gut wachsen. Hier könnte eine geringere Abhängigkeit von Kragengeißelzellen okkulter Schwammarten eine gewisse Rolle spielen.

Beispiele für tolle easy-to go Montiporas:

  • Montipora digitata (baumartiges, arborescentes bis digitates Wachstum; Fraben: blau, violett, türkis-grün, gelb)
  • Montipora foliosa (scheibenartiges „foliöses“ Wachstum; Farben: rot, gelb, grün)
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Tolle Montipora digitata in einer grün-türkis fluoreszierenden Farbmorphe unter Royal-blauer LED Beleuchtung.

 

Platzierung:

Montiporas benötigen ausreichend Licht und Strömung (Polypen sollten sich bewegen). Allerdings gedeihen sie auch bei etwas schlechteren Licht- und Strömungsverhältnissen, sodass sie häufig unterhalb von Acroporas platziert werden. Beachten sollte man, dass foliös wachsende Montis darunter liegende Korallen komplett abschatten können, daher lieber tief im Riff anbringen.

Pflegetipps:

Achten auf ausreichenden Kalzium- und KH-Wert sowie klares Wasser. Fütterung nicht notwendig, ob Montis davon profitieren ist unklar.

Fragmentierung:

völlig problemlos, Vorsicht ist beim Abbrechen geboten, lieber mit Zange oder Dremel an geeigneter Stelle vorsichtig schneiden

Seriatopora

Seriatopora gehören zusammen mit den anderen einfach zu pflegenden Gattungen, Stylophora und Pocillopora, zu der Familie der Becherkorallen (Pocilloporidae). Obwohl die gesamte Gattung der Pocilloporidae schnell wächst, schlägt Seriatopora die Wachstumsrate der anderen beiden Gattungen noch einmal um Längen. Dies gilt für beide wichtigsten Arten der Seriatoporas, die S. hystrix und die S. caliendrum. Erkennen kann man Seriatoporas an den „seriellen“, also gerade hintereinander aufgereihten Anordnung ihrer Koralliten (Polypennester).

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Grüne Seriatopora caliendrum – eine Koralle mit unheimlicher Wachstumsgeschwindigkeit. Darunter eine, wohlmöglich aufgrund Abschattung degenierende Acanthastrea lordhowensis.

Pflegetipps:

Aufgrund des extrem schnellen Wachstums muss man sehr genau auf die Calcium-, Magnesium- und Karbonatversorgung im Becken achten. Da bei hohem Seriatoporabesatz der Magnesiumlevel wachstumslimitierend sein kann, bietet sich hier die Verwendung von modernen Magnesium (und KH-)reichen Pro-Riffsalzmischungen für die Wasserwechsel an. Zudem sollte die Strömung wirklich hoch sein, da Seriatoporas aufgrund des schnellen Wachstums rasch zu großen Stöcken heranwachsen, die sehr dichte Äste bilden. Es sind Fälle beschrieben, wo ein ganzer Stock aufgrund von schlechter Durchströmung der inneren Korallenanteile von dort degeneriert und binnen 1-2 Tagen komplett abgestorben ist. Fragmentierung: leicht.

Pocillopora

Unter den Pocilloporas ist insbesondere P. damicornis eine extrem schnell wachsende und je nach Umgebungsbedingungen wandelbare Art. Sie gibt es häufig in gelblichen und pinken Farbvarianten. Zu achten ist auf eine starke Beleuchtung und regelmäßiges Zurückschneiden, da sich Pocilloporas sonst selbst abschatten und absterben können. Nicht in ganz frische Becken einsetzen. Andere Pocillopora-Arten sind etwas schwieriger im Aquarium haltbar und damit eher keine Einsteiger-SPS, am häufigsten anzutreffen sind noch P. elegans und -verrucosa. Farbmorphen häufig abhängig von Beckenbedingungen: pink, gelb, weiß, z.T. ineinander übergehend. Fragmentierung ist problemlos möglich.

Stylophora

Unter den Stylophoras ist insbesondere S. pistillata in einer pink-violetten Farbmorphe verbreitet, die auch als „Milka“ bezeichnet wird. Die Milka ist ebenfalls schneller wachsend als die meisten Acros, jedoch deutlich langsamer als Seriatoporas. Sie bildet sehr schöne dicke Skelettäste aus und ist daher schwerer zu fragmentieren als andere SPS Gattungen. Stylophora wachsen langsamer als Seriatopora und Pocillopora. Sie sind wie die anderen beiden Becherkorallen-Gattungen grundsätzlich pflegeleichte SPS, die auch einmal nicht ganz perfekte Wasserwerte sowie mittelstarke Beleuchtung akzeptieren.

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Tolle intensiv violette Stylophora pistillata („Milka“) in einem Nest von pumpenden Xenien.

Porites

Porites ist der Hauptvertreteder der Familie der Poritidae, der obwohl schon seit den 80er Jahren in der Aquaristik bekannt, nie so richtig große Verbreitung in dem Hobby gefunden hat. Dies mag an der doch häufig eher biederen, meist braunen Farbgebung der Porties liegen. Neben der Tatsache, dass sie jedoch sehr gut haltbar für SPS Korallen sind, macht sie jedoch auch eine weitere Eigenheit zu einer wahren Bereichung im Riffbecken: Sie kommen häufig in Symbiose mit kleinen, farbenfrohen Röhrenwürmern der Gattung Spirobranchus vor, die dann zahlreich aus ihnen „herausluken“. Zudem kommen ähnliche Lebensgemeinschaften mit Muscheln, Einsiedlerkrebsen oder Schnecken vor, die sich in den Höhlen der Kalkröhrenwürmer niederlassen oder vom Korallengewebe ernähren. Nicht erschrecken: Porites können sich „häuten“, indem sie ein Schleimsekret absondern, das in der Natur dazu dient, Sedimentablagerungen in der Gezeitenzone loszuwerden. Daher möglichst nicht mit direkt füttern! Sie sind etwas anspruchsvoller als die anderen hier vorgestellten Gattungen, benötigen eher starke Strömung und Licht, da sie sonst an der Basis zu Gewebedegeneration mit Fadenalgenbewuchs neigen.

Goniopora

Gonioporas gehören in die Familie der Portitidae. Zwar zählen viele Autoren sie zu den LPS, jedoch gibt es zahlreiche Gonios mit kleineren Korallitendurchmessern unter 5 mm, sodass sie gut auch als SPS oder gar nicht zu einer der beiden großen aquaristischen Steinkorallen-Kategorien klassifiziert werden können. Und sie bereichern ein easy-mode SPS Becken aufgrund ihrer länglichen Tentakel enorm! Diese unterscheiden sich durch ihre 24 Spitzen von den ähnlichen Alveoporas, die nur 12 Tentakel auf der Mundscheibe besitzen. Gonioporas sind grundsätzlich einfach zu halten und besitzen unterschiedlichste schöne Farbvarianten.

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Oberhalb des Röhrenwurms zwei tolle kleinpolypige Gonioporas, die sich in meinem Aquarium trotz schlechten Bedingungen im Händlerbecken super erholt haben.

Allerdings sollte man auf einen ausreichenden Anteil an Mangan im Meerwasser achten (ICP-Messung, wenn Gonioporas nicht gut stehen). Moderne Wasseranalysen haben gezeigt, dass der höhere Gehalt an Mangan in bestimmten europäischen Meersalzmischungen den Erfolg der Gonioporahaltung ggü. den USA erklären könnte. Zudem sollte man aufgrund der längeren Tentakel auf einen ausreichenden Abstand zu Nachbarkorallen achten. Allerdings nesseln Gonios nicht besonders stark. Eine Fütterung wirkt sich durchaus positiv auf Gesundheitszustand und Wachstum von Gonioporas aus. Nicht erschrecken: die Tentakel ziehen sich nach der Fütterung mit kleinem Plankton oder Staubfutter umgehend in das Skelett zurück. Gonioporas mit großen Korallitendurchmessern > 5mm gelten als schwerer zu halten sollten daher eher gemieden werden, tendentiell benötigen sie eher höhere Nährstoffkonzentrationen als die gut aquarienhaltbaren „SPS-ähnlichen“ Gonios.

Die Balling-Methode verstanden – so funktioniert die wichtige Kalkversorgung im Riffaquarium

Was ist die Balling-Methode?

Bei der Ballingmethode handelt es sich um eine Methode Calcium-, Hydrogencarbonat- und Magnesiumionen dem Meerwasser zuzusetzen. Diese 3 Mengenelemente werden insbesondere in Steinkorallenaquarien (SPS>LPS) zum Skelettwachstum der Korallen benötigt und daher in großer Menge verbraucht. Die Haltung anspruchsvollen SPS Korallen wurde im Zuge der Beschreibung der Balling-Methode durch Hans-Werner-Balling sowie die Erfindung von Kalkreaktoren als alternativer Methode in den frühen 90er Jahren überhaupt erst möglich. Generell muss man wissen, dass aus der „klassischen“ Balling-Methode über die Jahre mehrere Spielarten erwachsen sind, deren wichtigste Vertreter hier kurz als „verbrauchsorientierte Ballingmethode“, „Balling Light“ und „Balling Plus“ mit ihren Vor- und Nachteilen erklärt werden sollen. Zudem soll dieser Blog ganz konkret das Vorgehen der Riffversorgung im Rahmen der Ballingmethode beschreiben und Vor- und Nachteile ggü. anderen Methoden der Kalksubstitution erläutern. Die chemischen Zusammenhänge werden so einfach wie möglich erklärt, aber auch so, dass sie jeder zu Hause selber nachrechnen und nachvollziehen kann.

Was brauche ich für die Balling-Methode und wie ist das Grundprinzip?

Die klassische Balling-Methode besteht grundsätzlich aus 3 chemischen Stammlösungen, welche dem Meerwasser täglich zugesetzt werden:

  • Teil A: Calciumchlorid-2-hydrat
  • Teil B: Natriumhydrogencarbonat
  • Teil C: Natriumchloridfreies Meersalz

Die Grundlage der Ballingmethode ist folgende Reaktionsgleichung:

CaCl + 2 NaHCO3 -> CaHCO3 + 2 NaCl + H2O + CO2

Es entsteht also aus Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat Calciumcarbonat (Kalk), Kochsalz, Wasser und Kohlendioxid. Alle chemischen Stoffe sind im Meerwasser natürlich gelöst, also in Ionenform vorliegend. CO2 wird von den Korallen und Algen zur Photosynthese verwendet. Das entstehende Wasser (H2O) schadet in einem Aquarium ebenfalls nicht. Das eigentlich Geniale an den verwendeten Ausgangssalzen ist aber, dass als weiteres Nebenprodukt Kochsalz entsteht, welches sowieso den wesentlichen Massenanteil am Meersalz ausmacht. Insgesamt führt insbesondere das entstehende NaCl (zu 70%) aber zu einem leichten, langsamen Dichteanstieg im Meerwasser. Das CaHCO3 wird insgesamt nur in dem Maße zugeführt, wie die Korallen es in ihr Steinskelett einbauen.

Das NaCl-freie Meersalz dient zum Ausgleich der Ionenbalance. Es enthält kein NaCl und wird in dem Maße dosiert, dass eine Ionenbalance aus anderen Ionen (z.B. Magnesium, Kalium, Fluorid, Bromid, Iodid, etc) und NaCl hergestellt wird, wie sie in natürlichem Meersalz vorkommt. Würde man nur CaCl und NaHCO3 dosieren, würde langsam aber sicher der Anteil an NaCl im Becken ggü. sämtlichen anderen im Meerwasser vorkommenden Ionen zunehmen. Das NaCl-freie Meersalz trägt zu 30% des Dichtenanstiegs durch die Ballingmethode bei.

Im Falle von „verbrauchsorientierter Ballingmethode“ und „Balling Light“ wird das NaCl-freie Meersalz, dessen wichtigste Aufgabe die Supplementation des Beckens mit Magnesiumionen ist, durch Magnesiumchlorid oder -sulfat ersetzt. Die Ergänzung des Beckens mit Spurenelementen (die eben auch im NaCl-freien Meersalz vorkommen), muss man dann aber zusätzlich durchführen oder darauf verzichten. Insgesamt sind solche Methoden dann auch mehr von Wasserwechseln abhängig, um die Ionenbalance im Meerwasser aufrecht zu erhalten. Bei Durchführung von regelmäßigen Wasserwechseln (ca 5-10% pro Woche), bei denen der Dichteanstieg berücksichtigt wird, muss man sich um die Ionenbalance aber bei egal welcher Ballingmethode keine Gedanken machen.

Was sind die Vor- und Nachteile der Balling-Methode?

Gegenüber den früher weiter verbreiteten Kalkreaktoren und organischen Calciumlösungen (z.B. Tropic Marin Carbocalcium) als Alternativmethoden zur Kalksubsitution von Riffaquarien bieten die Balling-Methode folgende Vorteile:

  • keine technische Ausstattung benötigt
  • keine Ionenverschiebung/chemische Missverhältnisse bei korrekter Anwendung
  • gleichzeitige individuelle Dosierung von Spurenelementen in den Lösungen möglich („Balling Plus“)
  • individuelle Einstellung von Calciumkonzentration, KH und Magnesiumkonzentration möglich („verbrauchsorientierte Ballingmethode“)
  • günstig

Folgende Nachteile hat die Balling-Methode

  • für sehr große Becken (>2000 Liter) werden sehr große Mengen an Stammlösungen benötigt, da die Löslichkeit der Ballingsalze nur gewisse Höchstkonzentrationen in Osmosewasser zulässt
  • langsamer Dichteanstieg durch die zusätzlich zugeführten Ionen – dieser muss beim regelmäßigen Wasserwechsel mit berücksichtigt werden
  • ganz ohne Wasserwechsel kommt die Methode daher meist nicht aus (ausser wenn in kleineren Becken der Salzaustrag durch Abschäumung und andere Verluste gleich dem Dichteanstieg durch die Ballingmethode ist)
  • Die Zugabe von CaCl- und NaHCO3-Lösung muss im Abstand von ca. 1-5 Minuten erfolgen, um Ausfällungen zu vermeiden
  • zur Konstanthaltung der Ca,- KH-, und Magnesiumkonzentrationen ist eine mind. tägliche Zugabe der Ballinglösungen notwendig, diese wird durch eine Dosieranlage erleichtert (ist aber kein Muss)

Ingesamt liest sich die Liste der Nachteile zwar lang, dies sind aber nur Kleinigkeiten ggü. den großen Vorteilen der Ballingmethode (günstig, einfach, individualisierbar), zumindest in kleinen und mittelgroßen Becken.

Klassische Ballingmethode vs. „verbrauchsorientiert“, „Light“, „Plus“ & Co

Klassische Ballingmethode:

Alle 3 Teile werden zu gleichen Mengen dosiert, nachdem die idealen Konzentrationen von Ca, NaHCO3 und Mg im Meerwasser eingestellt wurden. Wenn das für die Wasserwechsel verwendete Meersalz diese Konzentrationen auch besitzt, sind keine Veränderungen der Konzentrationen der Ballingsalze zu erwarten, da Korallen diese stöchiometrisch nach der Reaktionsgleichung verbrauchen.

Balling verbrauchsorientiert:

Individuelle Mengendosierung von Teil A, B und C. Notwendig bei nicht idealen Meersalzmischungen.

Balling Light:

Methode von Fauna Marin mit speziellen Salzmischungen. Keine Verwendung von NaCl-freiem Salz, regelmäßige Wasserwechsel notwendig.

Balling Plus:

Balling klassik + Zugabe von Spurenelementen über die Ballinglösungen. Somit vollständige Supplementationsmethode zur vollwertigen Elementdosierung von Riffaquarien. Die Zugabe der Spuris erfolgt in Teil A und/oder B je nach Angabe des Herstellers (z.B. A- und K+ Elements von Tropic Marin) und gewünschter Konzentration. Vorteil: kontinuierlicher Spuriersatz, der verbrauchsorientiert an die Massenelemente Ca und NaHCO3 gekoppelt ist.

Wie dosiere ich die Balling-Salze in der klassischen Ballingmethode?

Die klassische Ballingmethode ist m.E. die Methode der Wahl, kann individualisiert werden durch Zugabe von Spuris („Balling plus“) und führt bei korrekter Anwendung und Verwendung von gutem, möglichst natürlichem Meersalz nicht zu einer Verschiebung der Konzentrationen von Ca und KH. Die „verbrachsorientierte Ballingmethode“ ist dann nicht notwendig. Man benötigt keinen Online-Rechner, Aqua Calculator oder andere Tools sondern geht einfach vor wie weiter unten erläutert. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, werden daher nur „Balling klassik“ und „Balling plus“ im Detail erläutert. Guides für „Balling Light“ gibt es auf der Fauna Marin Website.

Klassische Balling-Dosierung – Menge pro 1 l Umkehrosmose-Wasser:

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A): 73,5 g
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B): 84 g
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C): 25 g

Daraus ergeben sich folgende Konzentrationen der Stammlösungen:

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A): 20.000 mg/l  (ppm) Ca
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B): 2800° dKH/l
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C): 3350 mg/l Mg; 980 mg/l  K

Diese Mengen ergeben sich aus dem stöchiometrischen Verbrauch der Elemente nach der obigen Reaktionsgleichung und der maximalen Löslichkeiten von NaHCO3 und NaCl-freiem Meersalz, welche bei 90g/l bzw. 25 g/l liegen.

Max. Löslichkeiten:

  • CaCl*2H2O: 800 g/l
  • NaHCO3: 90 g/l
  • NaCl freies Salz: 25 g/l

Wie kommt HWB auf 25g NaCl-freies Meersalz?

  • in der Reaktion entstehen pro 1/2 mol CaCl (=73,5g) 1 Mol NaCl (=58,4 g/mol)
  • 70% des Dichteanstiegs macht dieses NaCl aus, etwa 30% entfallen auf das NaCl-freie Meersalz: 58,4/70*30 = 25 g

Welche Konzentrationen sind in einem Steinkorallen-Aquarium empfohlen?

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A) erhöht Calcium: 400 – 450 mg/l (ppm) Ca (z.B. 420 mg/l)
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B) erhöht KH: 6 – 9° dKH (z.B. 7 °dH)
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C) erhöht Magnesium und Kalium: 1250-1350 mg/l Mg; ~400 mg/l K+

Da immer nach der obigen Reaktionsgleichung stöchiometrisch verbraucht wird, die NaHCO3- und NaCl-freie-Meersalzlösungen aber schon an der Sättigungsgrenze sind, kann man zu Reduktion der Ansetzhäufigkeit die CaCl-Lösung auch doppelt oder 4-fach konzentriert ansetzen und entsprechend nur die Hälfte oder 1/4 des Volumens der NaHCO3- bzw. der NaCl-freien-Meersalzlösung dosieren zu lassen. Viel gewinnt man aber nicht, da man sowieso NaHCO3- und Meersalz-Lösung ansetzen muss. Somit machen auch verbrauchsorientierte Ballingdosierungen (z.B. mehr Teil A als Teil B) wenig Sinn, sie führen nur leichter zu einer Ionenverschiebung, da man nicht immer nach der Balling-Gleichung stöchiometrisch zudosiert. CAVE: Sie werden notwendig, wenn man ein Meersalz zum Wasserwechsel verwendet, dass nicht die gewünschten Zielkonzentrationen der Elemente hat. Dann bringt man mit jedem Wasserwechsel die eigentlich gewünschten Konzentrationen aus dem Gleichgewicht.

Dosierung

Vorgehen beim Start:

Einstellen der idealen Werte (höhere Werte abfallen lassen, niedrigere durch entsprechende Zugabe von Salzen erhöhen):

  • Dichte 1,0233 oder 34,8 Promille
  • Ca 420 mg/l
  • KH 7° dH
  • Mg 1325 mg/dl

(das verwendete Meersalz für die Wasserwechsel sollte bei der entsprechenden Dichte möglichst genau diese gewünschten Werte ergeben, da sonst die Balling-Methode gestört wird! Ideales Meersalz hierzu ist Tropic Marin Pro Reef, es enthält zudem Spuris in optimalen Dosierungen und keine Verunreingungen mit Schwermetallen o.ä. Dies wurde von mir via ICP-OES Analyse überprüft.)

Dann Start der Stammlösungen, z.B. nach meiner Empfehlung:

  • 20 ml / 100 l Aquarienvolumen (oder Berechnung der notwendigen Ca-Menge (s.u.) mittels Calcium-Bestimmung nach 3-5 Tagen)
  • Nachmessen der KH am Folgetag und nachjustieren
  • Nachmessen von KH/Ca/Mg nach 3 Tagen, wenn KH konstant
  • so wird die Dosierung für ein konstantes Äquilibrium ermittelt, stets auch nachkontrollieren bei Besatzänderungen sowie regelmäßig z.B. jeden Monat Messung von Ca/Mg (grundsätzlich reichen regelmäßige KH-Kontrollen).

Ein bisschen Chemie & Mathe – Balling verstehen…

Um ohne Ballingrechner klarzukommen, kann man bei regelmäßigen Messungen von Ca, Mg und KH einfach nach Gefühl die Dosierung der Stammlösungen um einige ml verändern und einen Tag später nachmessen, ob man sich in die richtige Richtung bewegt. Einfacher wird es aber mit etwas chemischem Verständnis. Dann ersetzt man ad hoc einfach die Fehlende Menge des Elements bei bestehenden Defiziten und stellt die dauerhafte Dosierung nur etwas nach oben. Max. sollte man Ca um ca 20 mg/l, Magnesium um 100 mg/l und KH um 2° dH pro Tag anheben. Bei zu hohen Konzentrationen einfach Dosierung pausieren und den Wert abfallen lassen. Um etwas Balling rechnen zu können, muss man nur folgende Formeln parat haben:

Gleichung 1:

  • M (Molmasse) = m (Masse) / n (Mole)

Gleichung 2 – Dreisatz:

  • 56 g = 100%
  • x g = 30 %
  • -> x = 30 x 56 g / 100 = 16,8 g

Gleichung 3 – Balling-Reaktionsgleichung:

  • CaCl + 2 NaHCO3 -> CaHCO3 + 2 NaCl + H2O + CO2

Molmassen der Ballinglösungen:

  • Teil A: CaCl*2H2O: 147 g/mol
  • Teil B: NaHCO3: 84 g/mol

Molmassen der Zielsubstanzen:

  • Ca: 40,1 g/mol
  • CaCl: 111 g/mol
  • NaHCO3: 84 g/mol
  • NaCl: 58,4 g/mol

Ausgleich von Defiziten

z.B. in einem 165 l Becken nach den Gleichungen 1 und 2:

Anheben von Ca um 10 mg/l in 165l: 1,65 g Ca benötigt -> 1,65/40,1*147,0 = 6,05 g CaCl*2H2O -> 6,05*1000/73,5 = 82 ml von Lösung A

Anheben von KH um 1 ° dH in 165l: (Angabe von TM, s.o.) 2800 °dH/l / 165l = 17 ° dH -> 1000/17 = 59 ml von Lösung B

Der Verbrauch ist also in ml relativ hoch. Da Ionenlösungen ewig haltbar sind, macht es, wenn im Unterschrank wenig Platz ist, also Sinn, gleich größere Mengen in Kanistern im Keller anzusetzen, z.B. 10l:

  • CaCl*2H2O: 735 g
  • NaHCO3: 840 g
  • NaCl-freies Salz: 250 g

Muss man bei der Zudosierung von Lösung A oder Lösung B auch Lösung C zudosieren? Und wenn, wieviele ml?

grundsätzlich nein, ausser man will auch gleichzeitig (stöchiometrisch) Mg mit anheben und den Spuriverbrauch ausgleichen

Nach Gleichungen 1,2 und 3 ergibt sich dann:

Zugabe von 59 ml KH-Lösung (=1000/59=4,96g NaHCO3 -> 0,059 mol NaHCO3 = 0,059 mol NaCl *58,5 g/mol = 3,45 g NaCl = 70% des Dichteanstiegs -> 3,45*30/70=1,4785g durch Lösung C -> 1,4785*1000/25=59 ml.

-> q.e.d.

d.h. man müsste immer die gleiche Menge an Lösung C zusetzen, die man von Lösung A oder B zugegeben hat!

(wenn man nach obiger Dosieranleitung die Ballingsalze angesetzt hat)

Wie begegne ich dem Dichteanstieg bei der Ballingmethode?Den Dichteanstieg durch die NaCl-Zudosierung der Ballingmethode (NaCl entsteht neben CaHCO3 und CO2) muss man ausgleichen: Wenn man 1l der original Balling-Lösungen zudosiert mit 73,5 g Calciumchlorid-Dihydrat je Liter, 84 g Natriumhydrogencarbonat je Liter und 25 g NaCl-freiem Meersalz je Liter, dann beim nächsten Wasserwechsel je Liter dosierter Lösungen 41,5 g Meersalz weglassen oder 1,1 l Meerwasser aus dem Aquarium entnehmen und durch Umkehrosmose-Wasser ersetzen. Soweit die berechnete Theorie. Aufgrund von weiteren Salzausträgen wie z.B. durch Abschäumung kann die zu reduzierende Menge an Meersalz aber abweichen. Daher einfach regelmäßige Dichtemessungen durchführen und beim Wasserwechsel mit berücksichtigen. Hierzu z.B. einfach das Tool bzw. die App „Aqua Calculator“ benutzen. Generell wird man durch die Ballingsalze weniger Meersalz in den Wasserwechseln benutzen müssen.

So, ich hoffe, der Ausflug in die Balling-Chemie war nicht zu anstrengend. Damit schließe ich dieses „Profi-Tutorial“ mal und hoffe, dass die Aufrechterhaltung einer idealen Meerwasserchemie nun keine Schwierigkeit mehr für euch sein wird. Damit ist ein wesentlicher Baustein für die erfolgreiche Steinkorallenhaltung geschaffen! Next: „Easy-to-go SPS Aquarium“ – Besatzvorschläge für Einsteiger in die Pflege von kleinpolypigen Steinkorallen“.

Jetzt mal konkret – Checkliste für die Erstanschaffung

Beschluss gefasst? Es soll ein Meerwasser-Aquarium in die eigenen 4 Wände einziehen? Gratulation! Doch was wird überhaupt alles zum Start benötigt? Eine Checkliste mit ersten wichtigen Orientierungshilfen für eine Basisausstattung unabhängig vom verwendeten System und Vorschlägen von Produkten bzw. Herstellern findet ihr hier…

Checkliste für die Erstanschaffung:

  • Aquarienbecken, geeignet für Meerwasser
  • Unterschrank
  • i.d.R. Technikbecken für Unterschrank mit Rückförderpumpe
  • Beleuchtung
  • Strömungspumpe(n)
  • i.d.R. Abschäumer
  • Osmoseanlage mit Reinstwasserfilter (empfohlen für Becken >60 l)
  • Heizstab
  • Kühlsystem (je nach Jahreszeit und zu erwartender Zimmertemperatur)
  • Meersalz von guter Qualität („Pro“-Salze für Steinkorallenpflege empfohlen)
  • Riffgestein (Lebendgestein, Todgestein, Riffkeramik oder fossile Aragonitgesteine)
  • Bodengrund (Live Sand vs. totem Korallenbruch/Sand)
  • Starterbakterien (empfehlenswert)
  • Thermometer
  • Salinitäts-/Dichtemesser: Aerometer oder Refraktometer
  • Magnet-Scheibenreiniger
  • Meerwasser-geeignete Testkits / alternativ Photometer: Ammonium, Nitrat, Nitrit, pH, Phosphat (im Verlauf noch Ca, KH, Mg)
  • Absorber für den Notfall: Phosphatabsorber und Aktivkohle mit Filtersäckchen
  • Filterschwämme grob und fein
  • Korallenkleber, ggf. Riffmörtel
  • erweiterte Technik: Verlängerungskabel mit Multisteckdosen, Zeitschaltuhren – oder Steckdosen, 2-3 10l-Eimer, Schlauch für Wasserwechsel, mehrere Kanister 15-20l um Meerwasser anzusetzen, ggf. kleinere Kanister 1-5l zum Ansetzen von Ballinglösungen
  • Versicherung gg. Wasserschäden (Gebäude + Hausrat)

Und, hättet ihr an alles gedacht??? Wenn man so eine Beckenplanung mal durchspielt, fällt einem in seinem speziellen Fall sicher noch einiges mehr an, was man für sein Becken zudem an Technik bzw. Ausstattung haben möchte. Ich habe mich bei der Checkliste erstmal an den wichtigsten und essentiellen Geräten orientiert, die ich jedem Einsteiger in die Riffaquaristik empfehlen würde. Aus Bequemlichkeit oder technischer Affinität greifen viele sicher auch relativ schnell zu weiterer Technik wie z.B. einer Osmoseanlage zum automatischen Nachfüllen von Osmosewasser wegen Verdunstung oder einer Dosieranlage zur Dosierung der Ballinglösungen. Beide technischen Hilfsmittel nehmen dem Aquaristen nicht nur die täglich notwendigen Dosierungen am Becken und sorgen damit für einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Riff (mehr Zeit zum Beobachten und Staunen), sondern verbessern auch die Wasserchemie als eine der 3 Säulen der Meerwasseraquaristik (s. entspr. Blogeintrag), indem sie die wichtigsten Wasserparameter (Salinität und Kalkhaushalt) über 24h stets auf konstantem Level halten. Allerdings kommt man auch ohne Osmoseanlage und Dosierpumpe klar, sodass der Einsteiger die Kosten häufig einige Monate nach hinten schiebt und das auch zu Recht.

Die Checkliste ist ganz schön lang – warum eigentlich?

Erklärungen zu den einzelnen Punkten mit einigen (natürlich nur aus meiner persönlichen Sicht empfehlenswerten) Kauftipps…

Aquarienbecken und Unterschrank

…die Notwendigkeit erübrigt sich, wenn man ein Aquarium haben möchte, denke ich…

  • Einkaufstipp 1: Fertig-Kombinationen wie z.B. die Reefer-Serie von Red Sea (Vorteil: Tolle Becken mit Unterschrank, Technikbecken und Verrohrung, Technik kann individuell hinzugefügt werden), oder die Incpiria Serie von Eheim, kostengünstig sind die Nano Becken von Dennerle oder auch die Becken von AquaMedic (z.B. Blenny, Cubicus).
  • Einkaufstipp 2: Edel-Lösung ist natürlich ein Custom-Made Aquarium mit Unterschrank vom Aquarienbauer.

Technikbecken mit Rückförderpumpe

…halte ich für äußert sinnvoll, auch wenn die Anschaffung gewisse Risiken (wie z.B. den Wasseraustritt aus der Verrohrung) mit sich bringt. Unter dem Strich wird jeder Aquarist, dessen Becken größer als 60l ist irgendwann im Verlauf des Beckenlebens – und zwar wenn bei Problemen schnell gehandelt werden muss – die Möglichkeiten des Einbringens z.B. eines größeren Abschäumers oder von Filterkohle/Absorbern oder eines Wirbelbettfilters zu schätzen wissen. Zudem ermöglichen viele Technikbecken den Osmosewasservorrat und das Zudosieren von Ballinglösungen oder Spurenelementen, ohne dass diese an einer bestimmten Stelle direkt im Aquarium eingebracht, dessen Bewohner durch zu hohe Lokalkonzentrationen schädigen können.

  • Einkaufstipp 1: fertige Beckenkombinationen mit Showtank und Technikbecken, z.B. Red Sea Reefer-Serie, Eheim Scubacubes oder Incpiria-Serien
  • Einkaufstipp 2: Für den Edel-Aquarianer mehr als einen Blick wert sind die Edel-Technikbecken von Royal Exclusiv („Dreambox“). Rückförderpumpen: Eheim Compact+ (leise, hoher Stromverbrauch – ab 2000 l/h), Royal Exclusiv (Mini) Red Dragon (teuer, leise, sparsam – ab 2800 l/h), Ecotech Vectra (steuerbar mit Reef Link im Ecotech-System – ab 7500l/h)

Beleuchtung und Strömungspumpe(n) sowie Abschäumer

…elementare Technik zur Erhaltung/Schaffung eines lebensechten und naturnahen Korallenriffs (s. Blogeintrag „Die 3 Säulen der Meerwasseraquaristik“. Hier bitte unbedingt auf hochwertige Technik achten, lieber einige Euros mehr ausgeben!!!

  • Einkaufstipp Beleuchtung: LED-Beleuchtung von Eheim (Eheim LED Stripes) – modular, passiv gekühlt, unter Abdeckung zu benutzen und kosteneffektiv, leider nur full spectrum und actinic blue. Aqua LEDs -> custom made und sehr gute Beratung, tolle Abstrahlwinkel und starkes Korallenwachstum. Passiv gekühlt und mit Steuerung. Ecotech Radion LEDs: aktiv gekühlt, tolles Farbspektrum, voll steuerbar und per Reef Links kombinierbar mit Vortech Strömungspumpen oder weiteren Lampen als modulare Kombination.
  • Einkaufstipp Störmungspumpen: Ecotech Vortech Quite Drive für die gehobenen Ansprüche oder Tunze Pumpen für das low budget als klassische Strömungspumpen. Ultra low budget aber von vielen Aquarianer gelobt für ein super Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Pumpen von Jebao. Ein absolutes Highlight sind aber die neuen Gyre Strömungsgeneratoren von Maxspect, sie erzeugen eine ultra-lebensechte Wellenströmung („Gyre-Flow“) im ganzen Becken, sind leise und sollten bei jeder neuen Beckenplanung zumindest in die engere Auswahl einbezogen werden.
  • Einkaufstipp Abschäumer: Nyos Quantum Abschäumer-Serie – gute Qualität, sehr leise, nicht optimal einzustellen; Deltec SC 1351 – leise, super einzustellen, top in Preis-Leistung (350-600 l je nach Besatz); Luxusvariante: Royal Exclusiv Abschäumer (allerdings erst für Becken ab ca 250 l und relativ große Technikbecken passend) – sehr leise, top Leistung, sehr teuer

Osmoseanlage mit Reinstwasserfilter (empfohlen für Becken >60 l) und Meersalz

…Ausgangswasser (Osmosewasser) von reinster Qualität ist die Grundvorraussetzung für das Ansetzen von Salzwasser/Meerwasser mit einem guten Riffsalz. Wenn noch Nährstoffe im Osmosewasser nach der Anlage verbleiben (z.B. Nitrat oder Silikat), kann auch mit besten Riffsalz kein gutes Meerwasser zusammengerührt werden. Die Ansschaffung einer Osmoseanlage lohnt sich im Laufe der Zeit sicher bei Becken >60l, da hier das ständige Wasserschleppen vom Händler sonst zu aufwendig wird. In den meisten Regionen von Deutschland wird zur Herstellung von reinstem Osmosewasser auch ein Reinstwasserfilter, der der Osmoseanlage nachgeschaltet wird, notwendig sein, um auch Silikate u.a. Ionen restlos aus dem Osmosewasser zu entfernen.

  • Einkaufstipp: Dupla RO 270 Osmoseanalge mit Dupla Reinstwasserfilter oder Vertex Puratek 100 RO/DI für die gehobenen Ansprüche mit einem besseren Brauch:Abwasser-Verhältnis
  • Einkaufstipp Meersalz: Tropic Marin Pro Reef (ideale Ca-/KH-/Mg-Konzentrationen sowie alle Suprenelemente, die notwendig sind für ein anspruchsvolles Riffaquarium), dadurch perfekt auch für die Kombination mit der klassischen Balling-Methode geeignet

Heizstab und ggf. Kühlsystem sowie Thermometer

…ihre Notwendigkeit ergibt sich aus der Wichtigkeit, im typischen Riff-Becken eine Temperatur zwischen 23 und 27°C einzuhalten. Absolut lebenswichtiger Parameter. Merkregel: Kühlen ist teurer als Heizen. Und die übrige Technik (Lampen, Strömungspumpen, etc geben indirekt Wärme ab und heizen daher mit.

  • Einkaufstipp Temperaturcontroller: Aqua Medic T Controller Twin – kann Heiz- und Kühlgerät steuern und Temperatur konstant halten
  • Einkaufstipp Heizen: Eheim Jäger Heizstäbe
  • Einkaufstipp Kühlen: Tunze Aquawind Lüfter

Riffgestein und Bodengrund sowie Starterbakterien

…bevor das Meerwasser ins Becken kommt, wird Aquascaping gemacht: ein toller Abschnitt beim Einrichten eines Riffbeckens, da man hier der Phantasie und eigenen Schaffenskraft freien Lauf lassen kann. Hierzu wird Gestein (große Auswahl unterschiedlicher Gesteine mit Vor- und Nachteilen) sowie Sand bzw. Korallenbruch benötigt. Achtet beim Sand darauf, welche Lebewesen (z.B. grabende Seesterne oder Grundeln) einziehen sollen und entscheidet danach über Körnungsgröße sowie Schichtdicke des Sandbetts. Starterbakterien sind empfehlenswert, um die Einfahrphase zu verkürzen. Hierzu dient auch die Verwendung von Lebendgestein anstelle von toten Riffgesteinen oder Riffkeramik und stellt daher im Moment noch den Goldstandard bzgl. Riffgestein dar. Im Kommen sind aber fossile Aragonitgesteine, die in Steinbrüchen abgebaut werden und mit inaktivierten Bakterienkulturen im Labor beimpft werden, die unter Wasser wieder aktiv werden. Damit schon man die Umwelt und den Abbau von intakten Korallenriffen für die Gewinnung von Lebendgestein und ist vor unbewollten Plagen, die man sich mit dem Lebendgestein einschleppen kann, sicher.

  • Einkaufstipp Lebendgestein: idealerweise vorbestelltes frisches und selbst betrachtetes Gestein vom lokalen Händler. Alternativ: Sulawesi Lebendgestein von www.whitecorals.com
  • Einkaufstipp fossiles Aragonitgestein lebend: Real Reef Rock (z.B. www.reelreefrock.com)
  • Einkaufstipp Bodengrund: Preis Bora Bora Sand
  • Einkaufstipp Starterbakterien: Microbe Lift Special Blend und Nite-Out II

Salinitäts-/Dichtemesser

…neben der Temperatur ein weiterer essentieller Parameter im Riffaquarium: Das Einhalten einer Salinität von 33-35 Promille bzw. der korrespondierenden Dichte (temperaturabhängig!). Ohne gutes Messinstrument nicht möglich.

  • Einkaufstipp: Dupla Marin Präzisions-Aerometer

Magnet-Scheibenreiniger

… um den Durchblick zu bewahren.

  • Einkaufstipp: Tunze Care Magnet Long

Meerwassergeeignete Testkits

… was war nochmal eine der 3 Säulen der Meerwasseraquaristik? Ach ja, die Meerwasserchemie! Wie soll man diese korrekt einstellen ohne gute und verlässliche Testkits für die einzelnen Parameter? Für den Anfang reichen Ammonium, Nitrat, Nitrit, pH, Phosphat aus. Bei Besatz mit Steinkorallen (LPS oder SPS) müssen auf jeden Fall auch Ca, KH und Mg regelmäßig getestet werden.

  • Einkaufstipp: Kits empfohlen in der Wasserparameter FAQ von Martin Kuhn (keine fertigen Zusammenstellungen kaufen). Empfehlenswert für die Phosphat-Messung ist das Hanna-Photometer (genau, schnell und valide)

Absorber

..der Rettungsanker für den Notfall: Phosphatabsorber und Aktivkohle. Wenn es plötzlich Probleme gibt, ist häufig ein plötzlicher Phosphatanstieg z.B. durch  einen absterbenden Riffbewohner verantwortlich, den man im Riff aber vllt. gar nicht sieht. Dann hilft nur das sofortige Einbringen von Phosphatabsorber. Diesen gibt es auf Eisenhydroxid- oder Aluminium-Basis. In der Regel empfehle ich hier GFO (granular ferric oxide), also Eisenhydroxid-basierte Absorber, da Eisen zum Teil frei werden kann, dieses aber im Gegensatz zu Aluminium im Becken eher fehlt und keine so rasch toxischen Effekte hat. Vorteil der aluminiumbasierten Absorber ist, dass sie gebundenes Phosphat nicht mehr wieder abgeben können.

  • Einkaufstipp Phosphatabsorber (GFO): Rowa Rowaphos – super ergiebig und hocheffektiv, reduziert auch Silikat gibt keine anderen Substanzen ans Wasser ab  (per ICP-OES bestätigt).
  • Einkaufstipp Aktivkohle: Deltec Ultra Carbon – auch für den Dauereinsatz geeignet, reduziert auch Phosphat, gibt keine anderen Substanzen ans Wasser ab (per ICP-OES bestätigt)

Filterschwämme und Korallenkleber

… um das Wasser von Schwebepartikeln zu reinigen und um Korallen einzukleben einfach notwendig. Eher grobe Schwämme bevorzugen, feine sind meist nur Nitratfallen und nicht sonderlich brauchbar. Schwämme regelmäßig (mind. 2x/Woche reinigen) oder ganz drauf verzichten.

  • Einkaufstipp Korallenkleber auf Epoxidbasis 2 Komponenten: Aqua Medic Reef Construct – nicht der billigste, bindet aber in einer guten Zeitspanne ab (ca. 3-5 Minuten), gibt so genug Zeit zum Formen und ist auch initial viskös genug, um den Korallen sofort Halt im Riff zu geben. Keine Gefahr für die Riffbewohner.

Erweiterte Technik

Verlängerungskabel mit Multisteckdosen, Zeitschaltuhren – oder Steckdosen, 2-3 10l-Eimer, Schlauch für Wasserwechsel, mehrere Kanister 15-20l um Meerwasser anzusetzen, ggf. kleinere Kanister 1-5l zum Ansetzen von Ballinglösungen. Diese Sachen braucht man einfach rund um das Aquarium herum, um für Wasserwechsel und das Ansetzen von Meerwasser- sowie Ballinglösungen gewappnet zu sein.

So, damit kommt schonmal sicher ins Hobby. Bleibt nur, euch happy reefing zu wünschen! Next: „Die Balling-Methode verstanden –  so funktioniert die wichtige Kalkversorgung im Riffaquarium“.

Die 3 Säulen der Meerwasseraquaristik…

3säulen…oder: was brauche ich für ein erfolgreich betriebenes Wohnzimmerriff?

Für alle Interessierten und Einsteiger stellen sich gerade vor dem Kauf ihres ersten Meerwasserbeckens drängende Fragen: Was brauche ich für ein funktionierendes Meerwasserbecken? Wie teuer wird das? Auf was muss ich achten? Muss ich vorher dicke Bücher wälzen oder reichen mir einige Youtube-Videos? Diese und weitere Fragen rund um den Einstieg in das begeisternde Meerwasser-Hobby findet ihr in diesem Artikel.

Klar, kein Meerwasseraquarium gleicht dem anderen. Gerade in den letzten Jahren hat es bzgl. der Technik rund um die Meerwasseraquaristik eine Myriade an Neuentwicklungen gegeben. Doch klar ist auch: Gerade der Anfänger braucht vieles davon nicht. Dagegen ist bestimmtes technisches Equipment wie z.B. ein Abschäumer nicht absolut notwendig, aber gerade für den Einsteiger ins Hobby aufgrund des großen Zugewinns an Sicherheit äußerst zu empfehlen. Doch rollen wir das Thema von hinten auf… Was braucht man (neben Becken und Unterschrank) unbedingt, um den Lebensraum „Korallenriff“ im Wohnzimmer zu schaffen – und dies möglichst konstant und über lange Zeit erfolgreich? Und hier kommen wir zu den drei wichtigsten Bedingungen, meine „3 Säulen“ der Meerwasseraquaristik:

  • Gute Wasserchemie (nah am „Original“ Meerwasser): Reines Ausgangswasser (Osmoseanalge!) mit gutem, möglichst reinem Meersalz und gute Filterung, bestehend aus Lebendgestein, Abschäumer und meist einem Filterbecken (=Technikbecken) + Rückförderpumpe
  • Gute Strömung: Strömungspumpe(n) möglichst laminar durchs ganze Becken ohne tote Ecken, möglichst pulsierend
  • Gutes Licht: LED / T5 / HQI – Beleuchtung mit guter Ausleuchtung (nicht zu spotlastig)

Mehr wird in der Regel nicht benötigt. Anstelle von Lebendgestein treten derzeit immer mehr fossile Aragonitgesteine, die aufbereitet und mit inaktiven Bakterienpopulationen besiedelt wurden (z.B. Carib Sea Live Rock). Wichtig an dieser Stelle: ein erfolgreiches Riffbecken steht und fällt mit der Erfüllung der drei wichtigsten Dinge, die Korallen als sessile Photosynthese-betreibende Organismen benötigen: Sauberes Wasser von möglichst perfekter chemischer Zusammensetzung (Filter!), Strömung und Licht.

„Reefkeeping is not about keeping fish, it’s about keeping water chemistry“.

Dieses alte Reefer-Motto möchte ich hier also um die beiden Aspekte Licht und Strömung erweitern. Über meinem Becken hatte ich von Beginn an sehr gute LED-Lampen von Eheim, die gegenüber vielen anderen LED-Leuchten den Vorteil einer sehr flächigen Ausleuchtung haben und auch sehr gute Wasserparameter eingestellt. Allerdings wuchsen gerade SPS aber auch einige LPS Korallen in den ersten Monaten nicht besonders stark. Dies lag daran, dass ich die dritte Säule der Riffaquaristik bis dato (vor allem aus Kostengründen) hintenangestellt hatte. Ich hatte aufgrund der Empfehlung des Aquarienhändlers meines Vertrauens zunächst nur eine Strömungspumpe (Tunze Turbelle Nanostream 6015) installiert und damit in meinem Würfel eine viel zu lokalisierte Strömung (wenn auch quantitativ die oft empfohlene 10-20x Umwälzung des Beckenvolumens), bei der aufgrund des komplexen Riffaufbaus auch noch viele tote Bereiche entstanden. Daher schaffte ich mit einer Maxspect Gyre XF-130 Abhilfe. Diese teure Gyre-Pumpe hat die Leistung und das Strömungsbild von mehreren Streampumpen und führte in meinem Becken zu einer kompletten, wellenförmigen Wasserbewegung. Die Möglichkeit der Einstellung eines Pulsmodus sorgt zudem für abwechselnde Strömungsverhältnisse wie sie in der Natur eines Korallenriffes auch vorkommen. Diese technische Veränderung war im Nachhinein die beste Investition in den ersten Monaten meines Beckens: Die SPS Korallen öffneten innerhalb von einem Tag alle ihre Polypen und in den nächsten Wochen stellte sich ein um Längen verbessertes Wachstum der Korallen ein. Dieses Beispiel zeigt: Ist nur eine der 3 Säulen der Meerwasseraquaristik in einem Becken nicht erfüllt, wird dies deutliche Auswirkungen auf das Korallenwachstum haben.

Solange man auf die Erfüllung der 3 Säulen achtet, ist es grundsätzlich egal, welche Technik man dazu einsetzt. Es gibt sicher Aquarien, die ohne Abschäumer aber z.B. mit Algenrefugium als wichtigstem Filter und der Schaffung funktionierender biologischer Gleichgewichte (zwischen Nährstoffproduzenten und -Konsumenten) betrieben werden. Man kann nicht sagen, dass man für ein erfolgreiches Riffaquarium einen Abschäumer braucht. Allerdings setzen solche eher untypischen technischen Zusammenstellungen wie bereits angedeutet ein gewissen Know-How von Technik und Biologie voraus und sind daher nichts für den Anfänger.

Besonders wichtig ist es, sich bereits vor dem Start ins Hobby gut und von unterschiedlichen Seiten aus einzulesen. Hierzu soll neben meinem Blog aber auch „echte“ Literatur dienen. Zudem gibt es auf Youtube gute Videos, z.B. von den Hobbyisten oder den beiden Mainzer Aquarianern von Meerwasserlive.tv – zudem kann ich nur ermutigen, auch englischsprachige Quellen hinzuzuziehen. Hier wird die Meerwasseraquaristik doch noch eine Spur aktiver und moderner betrieben und es lohnt sich immer, einen Blick von „Außen“ auf die deutsche Community zu wagen… An klassischer Literatur kann ich sehr den „Ratgeber Wasserchemie“ von Armin Glaser empfehlen. Ein bedingungslos empfehlenswertes, weil umfassendes UND zeitgemäßes Buch zur Meerwasseraquaristik findet man im deutschen Buchhandel m.E. derzeit nicht. Mit einigen Abstrichen kann ich aber „Das Meerwasseraquarium“ von Dieter Brockmann als lesenswert empfehlen. Daniel Knops „Lexikon der Meerwasseraquaristik“ ist ein schönes Nachschlagewerk und deckt neben technischen Zusammenhängen v.a. die Biologie und Systematik von Korallen, Fischen und Wirbellosen ab. Aufgrund des hohen Preises ist es aber eher ein Werk für den Riff-Enthusiasten und als nach dem Alphabet gegliederte Begriffskunde eine wenig geeignete Einstiegslektüre. Für den geneigten Internet-Leser ist sicher nicht gesondert herauszustellen, dass diverse Foren-Threads mit großer Vorsicht und idealerweise noch größerem Zeitbudget gelesen werden sollten. Hier verliert man sich schnell in Nichtigkeiten und Halbwahrheiten.

Wie ich bereits versucht habe klar zu machen, ist es wichtig, sich gute Technik ins Aquarium zu holen. Denn nur so hat man lange etwas von der Investition und kann eine gute Strömung, gutes Licht und gute Wasserparameter garantieren. Dies ist natürlich mit Kosten verbunden, die gerade für Anfänger unheimlich schwierig zu kalkulieren sind. Klar muss sein: die Investition in Schrank und Becken ist sicher kleiner als diejenige in eine gute lebenserhaltende Technik (Lampen, Strömungspumpe, Filterung) und diese wiederum sicher kleiner als die laufenden Kosten (Besatz, Verbrauchsmaterialien, Strom). Für sicher jedes Meerwasserbecken mit einem etwas anspruchsvolleren Korallenbesatz (LPS, SPS) muss man einen vierstelligen Gesamt-Investitionsbetrag kalkulieren. Bei mittleren Becken ab 150l („Mini-Becken“) geht es bei entsprechend guter Technik und anspruchsvollem Mischbesatz aber sogar bis in fünfstellige Summen. Diese wiederum sind bei großen Becken (>600 l) unabhängig von der Technik alleine schon aufgrund von Besatz und laufenden Kosten schnell erreicht. Und, auch wenn man anfangs ein Low-Budget-Nano-Projekt plant, kann aufgrund von Problemen oder Totalausfällen (auch wenn man sie sich nicht wünscht) schnell mal das knapp kalkulierte 600-Euro-Budget verdoppelt worden sein.

Aus diesen Überlegungen sollten sich gerade Anfänger nun sicherer fühlen, was man für ein funktionierendes Riffbecken benötigt und wie teuer das wird. Entschließt man sich nun endgültig, diesem tollen Hobby zu verfallen, bleiben eine Menge Spaß, faszinierende Bilder und das Gefühl, den tollsten Lebensraum der Erde in seinem eigenen Wohnzimmer erschaffen zu haben, übrig. Happy Reefing!

Das kommt als nächstes: „Jetzt mal konkret – Checkliste für die Erstanschaffung“