Wie mache ich eine ICP-Analyse?

Moderne chemische Verfahren erweitern die Bandbreite an Informationen, die wir über unser Aquarium erhalten können enorm. Hierzu gehört seit 2012 auch die ICP-OES, namentlich „inductively coupled plasma optical emission spectrometry“. Hierbei wird ein über 6000 °C heißes Plasma genutzt, um eine Meerwasserprobe komplett zu atomisieren. Dabei entstehend charakteristische Lichtspektren, deren Peaks abhängig von der Menge des betreffenden Elements in der Probe sind. Das Verfahren wurde durch die Firma Triton im Meerwasserbereich eingeführt und über die letzten Jahre optimiert. Mittlerweile können über 30 Elemente des Meerwassers nachgewiesen und ihre Konzentration bestimmt werden. Die mengenmäßige Erfassung der für die marinen Lebewesen relevanten Spurenelemente (wie z.B. Iod, Mangan, Schwermetalle) macht diese Methode daher für den Aquarianer so interessant. Bisher konnten Spurenelemente nur anteilsmäßig nach Verbrauch von Massenelementen wie Carbonaten oder Calcium oder nach Polypenbild der Korallen dosiert werden. Die Spurenelement-Substitution gleichte daher eher einem Blindflug und hat nicht selten fatale Folgen durch Überdosierung nach sich gezogen. Wie bei jeder Messung von Wasserparametern sollte man die ICP regelmäßig durchführen oder wenn man Abweichungen z.B. aufgrund von schlecht stehenden Korallen vermutet. Bei einem stabil laufenden Becken sind monatliche bis vierteljährliche Messungen aber in aller Regel ausreichend. Mittlerweile gibt es aufgrund des Erfolgs der Methode auch weitere Firmen, die ICP-Analysen anbieten. Aufgrund der mehrjährigen Erfahrung mache ich meine Analysen bei Triton und möchte daher hier einmal den Weg von der Probe bis zur fertigen Analyse für euch darstellen.

  1. Triton ICP-OES Test bestellen (z.B. hier) oder beim Händler erwerben (Kostenpunkt: ca. 35 Euro).
  2. In der Packung sind zwei 15 ml Falcon-Tubes enthalten. Diese nach 3-maligem ausspülen im Becken mit 10-15 ml Meerwasser füllen. Darauf achten, dass keine größeren Schwebstoffe im Wasser vorhanden und die Hände dabei sauber sind.
  3. Die zwei in der Packung enthaltenen Barcode-Aufkleber auf die beiden Falcon-Tubes aufkleben (Bild 1).
  4. Online bei www.triton-lab.de registrieren und das eigene Aquarium mit korrekter Füllmenge anlegen (Bild 2). Die Füllmengenangabe ist wichtig, damit man nach erfolgter Analyse korrekt berechnete Korrekturvorschläge erhält. Es können auch mehrere Aquarien pro Benutzer angelegt werden.
  5. Das gewünschte Aquarium in der Aquarienverwaltung auswählen und „Barcode verbinden“ klicken (Bild 3). Dann die Barcodenummer eingeben oder einscannen.
  6. Die Proben in der beiliegenden Versandtasche verpacken, beiliegenden Adressaufkleber außen aufkleben und frankieren (in Deutschland aktuell 1,45 €). Dann ab in den Briefkasten.
  7. Nach erfolgter Analyse erhält man in ca. 3-6 Tagen eine email-Benachrichtigung mit Link zum eigenen Konto und der Analyse (Bild 4).
  8. Bei Triton erhält man sehr umfassende Tipps zur Wichtigkeit der gefundenen Abweichungen und korrekte Dosierangaben, wenn bestimmte Elemente/Stoffe nachzudosieren sind (Bild 5). Bei Detektion von Überdosierungen oder z.B. Schwermetallverunreinigungen gibt es entsprechende Tipps zur Suche der Quelle der Verunreinigung, zum Wasserwechsel oder einer nötigen Detox-Behandlung.
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Bild 1: Befüllte Falcon-Tubes mit Barcode-Aufklebern

 

aquarium anlegen
Bild 2: Aquarium mit korrektem Füllstand (inkl. Technikbecken) anlegen

 

aquarienverwaltung
Bild 3: Aquarienverwaltung – für neuen Test auf „Barcode verbinden“ klicken

 

analyse
Bild 4: Nach einigen Tagen erhält man das Ergebnis als Link per email. Hier sind nur die ersten 7 Messungen dargestellt (aktuell 32 Elemente).

 

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Bild 5: Bei Triton vorbildlich ist die Dosierungshilfe zu jedem einzelnen Element. Hier wird dargelegt, wie wichtig eine Korrektur der jeweiligen Konzentration ist und wie diese zu erfolgen hat (mit korrekter Dosieranweisung).

 

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Versorgungssysteme für Meerwasseraquarien

Übersicht

Immer wieder stellt sich insbesondere Anfängern der Riffaquaristik die Frage: Wie versorge ich meine Tiere im Aquarium eigentlich mit den am häufigsten verbrauchten Massen- und Spurenelementen bzw. organischen Stoffen? Welche der diversen Methoden ist die Beste für mein Becken und insbesondere mich als Aquarianer? Nicht jeder Hobbyist hat schließlich die gleichen Tiere im Becken, die gleiche Menge an Zeit und Muße für sein Hobby, die gleichen finanziellen Vorraussetzungen und insbesondere die gleichen Ansprüche an sein Becken. Ein Weichkorallenbecken ist in der Versorgung viel unkomplizierter als ein vollgepacktes SPS-Becken. Dieses wiederum ist meist einfacher zu versorgen als ein Mischbecken mit Korallen unterschiedlichster Ansprüche. Die Methode der Versorgung mit Stoffen wie Calciumcarbonat, Magnesiumsalzen, Spurenelementen, organischen Stoffen und ggf. diversen anderen Produkten (z.B. Korallenfutter, Plankton), die man ins Meerwasser hinzugibt, kann man auch als Versorgungssystem bezeichnen. Nahezu jeder der großen Herzsteller hat sein eigenes Versorgungssystem entwickelt. Die meisten dieser Systeme sind Abwandlungen bzw. mehr oder weniger ausgebaute Formen der  Ballingmethode, die ich hier sehr ausführlich beschrieben und erklärt habe. Sie ergänzt auf einfachem Wege Calcium, Karbonate („KH“) und Magnesium im Becken. Da dies die in Steinkorallenaquarien am stärksten verbrauchten Massenelemente sind, hat die Ballingmethode (oder „Two-Part“ / „Three-Part“ im angloamerikanischen Raum) eine weite Verbreitung gefunden. Eine Alternative zur Ballingmethode stellt in großen Aquarien (>500l) der Kalkreaktor dar. Da ein vollumfängliches Versorgungssystem über den Eintrag ins Wasser i.d.R. auf die Filtermethode des Beckens abgestimmt werden muss, gibt es mittlerweile einige Versorgungssysteme, die sich als „ganzheitlich“ bezeichnen. Damit meint der jeweilige Anbieter, dass nicht nur einzelne Stoffe mit der Methode ergänzt werden, sondern das gesamte ökologische Gleichgewicht im Meerwasserbecken über einen balancierten Austrag erhalten wird. Damit für den interessierten Aquarianer die Entscheidung zwischen den einzelnen Versorgungssystemen leichter wird und sich jeder die „richtige Methode“ für sein Becken und die eigenen Ansprüche heraussuchen kann, habe ich die gebräuchlichsten Versorgungssysteme inkl. der wichtigsten Pro`s- und Contra`s hier einmal zusammengestellt. Aufgrund der Komplexität der einzelnen Methoden handelt es sich im Folgenden nicht um vollständige Anleitungen oder Dosierangaben, diese überlasse ich mit entsprechenden Links den Originalanbietern – viel Spaß beim Lesen.

Balling

Die Mutter aller Versorgungsmethoden geht auf Hans-Werner Balling zurück, der eine Methode entwickelt hat, welche die bei der Kalkbildung von Steinkorallen verbrauchten Substanzen Calcium und Hydrogencarbonat in stöchiometrisch korrekter Menge wieder dem Becken hinzuzufügen. Hierzu werden Lösungen mit definierten Mengen an Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat verwendet. Bei der klassischen Ballingmethode kommt als dritte Lösung noch natriumchloridfreies Meersalz hinzu, über das Magnesium sowie Spurenelemente dem Wasser zugeführt werden. Einem logischerweise stattfindenden Dichteanstieg durch die Ballinglösungen muss man mit entsprechend feuchter Abschäumung oder der regelmäßigen Entnahme von Aquarienwasser und Ersatz mit Osmosewasser entgegenwirken. Die Ballingmethode ist leicht durchführbar und einfach mit Dosierpumpen zu automatisieren. Fast jeder Hersteller bietet Ballinglösungen an, die Salze sind auch günstig bei Großhändlern zu erwerben. Eine detaillierte Anleitung und Erklärung der Details der Ballingmethode, ihrer Abwandlungen sowie Berechnungsbeispiele findet ihr hier.

Pro:

  • Grundlage vieler anderer Methoden, daher sollte man die Balling-Methode beherrschen und auch mal selbst angewendet haben
  • einfach durchzuführen und mit Dosierpumpen zu automatisieren
  • die wichtigsten Elemente werden substituiert
  • günstig
  • mit allen Filtermethoden kombinierbar
  • jahrzehntelange Erfahrungen vorhanden

CONTRA:

  • Verbrauch von Calcium und „KH“ nicht immer stöchiometrisch, dies führt bei manchem Becken zu Verwirrung/Berechnungsproblemen
  • Spurenelemente werden nicht verbrauchsorientiert ergänzt
  • keine Versorgung mit organischen Stoffen, diese kann aber additiv von einem Anbieter der Wahl erfolgen (z.B. spezielle Korallennahrung)
  • bei größeren Becken mit hohem SPS-Besatz wird viel Ballinglösung benötigt (z.T. über 1l pro Tag und Lösung), damit können Platzprobleme bei engem Unterschrank entstehen

Balling light als Beispiel für „Balling-Plus“

Offizielle Webseite von Balling light:

http://static.faunamarin.de/manuals/manual_balling-methode_de.pdf

http://static.faunamarin.de/manuals/manual_balling-methode_de.pdf

balling light

Balling light ist eine recht beliebte Abwandlung der Ballingmethode und ein Produkt der Firma Fauna Marin. Hier werden die Ballingsalze Calciumchlorid-Dihydrat, Natriumhydrogencarbonat und Magnesiumchlorid-Hexahydrat mit einzelnen Spurenelementlösungen versetzt und dann dosiert. Das Vorgehen, Ballinglösungen mit Spurenelementen anzureichern, wird mittlerweile auch von vielen anderen Herstellern angeboten und kann ganz generell als „Balling Plus“ bezeichnet werden.

PRO

  • zusätzlich zu Balling gezielter Eintrag von Spurenelementen
  • einfache Dosierung

CONTRA

  • keine verbrauchsorientierte Spurenelementzugabe, daher Wasserwechsel nötig und explizit empfohlen
  • wie bei Balling große Produktmengen in SPS-Becken notwendig (Balling light Salze etwas konzentrierter als Balling classic)
  • teurer als Balling

ATI-Essentials

ati essentials

Die ATI-Essentials sind ein neues und kontrovers diskutiertes Produkt der Firma ATI. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um komplexer formulierte Ballinglösungen mit verschiedenen Karbonatquellen in ATI-Essentials #1, der Calciumzufuhr (+ div. Spurenelemente) in Lösung #2 sowie der Magnesiumzufuhr (+ div. Spurenelemente) in Lösung #3. Die Lösungen werden verdünnt und dann manuell oder mit Dosierpumpe dosiert. Es wird die Verwendung eines Abschäumers sowie von Aktivkohle im Filter empfohlen. Kontroverse Diskussionen hat das Produkt hervorgerufen, da der Hersteller sehr aktiv damit geworben hat, durch dieses Vorgehen und regelmäßige Essentials-Dosierung Wasserwechsel unnötig zu machen. In der Bedienungsanleitung sind letztlich einige Einschränkungen hierzu beschrieben und sogar der Hinweis eingefügt, dass bei bestimmten Abweichungen in der Dosierung der einzelnen Komponenten komplette „Resets der Meerwasserchemie“ alle 2 Jahre notwendig sind. Obwohl ich die Essentials selbst getestet habe und grundsätzlich für ein gutes Versorgungssystem im Sinne „Balling plus“ halte, finde ich das fragwürdige Werbeverhalten und die Intransparenz des Herstellers bzgl. der Inhaltsstoffe zumindest fragwürdig. Zudem hatte ich einige Cyanoprobleme unter den Essentials, die allerdings theoretisch auch anderer Herkunft gewesen sein könnten.

PRO:

  • einfach zu verwenden
  • hochreine Salze ohne Verunreinigungen (selbst getestet per ICP)
  • Spurenelemente werden mit dosiert
  • keine regelmäßigen Wasserwechsel nötig (bei gutem Filter, mit Einschränkungen)

CONTRA:

  • intransparentes und daher kontrovers diskutiertes Produkt (kein Wasserwechsel durch Zauberformel oder nur „gutes“ Marketing?)
  • teurer als Balling
  • keine Langzeiterfahrungen

Zeovit

Zeovit-System: https://cms.korallen-zucht.de/files/zeovitguide_deutsch_1_03_final_german.pdf.

Zeovit-Forum: http://www.zeovit.com/modules/Jig/index.php.

Das Zeovit-System des Händlers Korallenzucht.de ist die sicherlich bekannteste Verkörperung eines Zeolith-Systems. Hier handelt es sich um eine ganzheitliche Methode, die neben dem eigentlichen Versorgungssystem auch einen ganz speziellen Filter umfasst. Das Zeovit-System besteht aus 2 „Säulen“. Die erste Säule oder das Grundversorgungssystem umfasst:

  1. Abgestimmtes Zeolithgemisch (ZEOvit® 1l / 400l Wasservolumen)
  2. Mikroorganismenlösung (ZEObak)
  3. Kombiprodukt Bakterien & Korallennahrung (ZEOfood)
  4. Bakteriennahrung (ZEOstart)
  5. Ständige Filterung über Aktivkohle

Zeolithe sind natürliche Mineralien unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, die auch synthetisch hergestellt bzw. modifiziert werden können. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Eigenschaften als Absorber oder Ionenaustauscher. Durch die Zeovit-Bakterienpräparate wird auf der großen inneren Oberfläche der Zeolithe ein effektiver Baktierenfilter etabliert. Damit dieser effektiv arbeitet, darf das Zeolithgemisch im Zeolithfilter nur mit max. 400l/h durchströmt werden, anfangs am besten mit 200l/h. Durch die Aktivkohle werden weitere unerwünschte organische und anorganische Substanzen aus dem Wasser gefiltert. Zudem werden bei der Zeovit-Methode gefordert:

  • Starke Abschäumung
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Optimierung des Nährstoffeintrags
  • Zufuhr von Elementen in geringen Mengen
  • Optimale Wasserwerte (Ca, Mg, KH, K+ Salinität)
  • Regelmäßiger wöchentlicher Wasserwechsel
  • Ausreichende Strömung
  • Verwendung von lebendem Gestein ect.
  • keine Verwendung von Phosphatabsorbern, insbesondere zu Beginn nicht

Das Zeovit-Prinzip stellt also im Gegensatz zu reinen Kalk- bzw. Spurenelement-Versorgungssystemen sehr genaue und hohe Anforderungen an das gesamte Aquariensystem. Dadurch ist die Methode ein Stück weit standardisiert und Erfolgte werden reproduzierbar. Das Ziel des Systems ist ein sehr nährstoffarmes Wasser, wie es insbesondere in SPS-Becken benötigt wird.

zeovit

PRO

  • extreme Farbgebungen bei SPS möglich (s. Bildbeispiel)
  • sehr nährstoffarme Becken möglich
  • ganzheitliche Methode (Versorgung + Filtersystem)
  • sehr gutes Forum und viele Langzeiterfahrungen

CONTRA

  • unnatürliches „Bleichen“ von Korallen
  • Gefahr der Fehl-/Überdosierung mit der Folge der Nährstofflimitation und rapid tissue necrosis (RTN) von SPS
  • relativ viele kleine blaue Zusätze, daher viel Handarbeit und relativ hohe Kosten
  • geringe Transparenz (Inhalte unbekannt), keine verbrauchsabhängige Dosierung von Spurenelementen
  • nicht für Weichkorallenbecken geeignet

Sangokai

Im Gegensatz zu Balling oder dem auf Nährstofflimitation ausgelegten Zeovit-System ist das Sangokai-System von Erfinder Jörg Kokott (www.sangokai.org) nicht primär auf die Kalkversorgung oder Nährstoffkontrolle ausgelegt, sondern auf die Versorgung mit Mikronährstoffen wie Nitrat und Phosphat sowie einzelnen anderen Massen- sowie Spurenelementen, partikulären Mineralstoffen und organischen Stoffen zur Korallenernährung. Das Prinzip ist hier, die heterotrophe Ernährung von Korallen zu stärken. Zudem soll die Bakterienflora sowie die Menge und Diversität an Kleinstorganismen gefördert werden.

sangokai

Durch die effektive Bakterienernährung ist für eine Kontrolle der Nährstoffe durch das Basis-System gesorgt. Erst im zweiten Schritt wurde mit dem Balance-System auch eine Kalkhaushaltversorgung im Sangokai-System mit integriert, die Wasserwechsel bei gutem Filtersystem teilweise überflüssig machen soll, da hier anteilig alle wichtigen Spurenelemente enthalten sind. Je nach aktuellen Bedingungen im Becken kann man weitere Spurenelementmischungen nachdosieren. Im Clean-System werden zur Optimierung des Filters noch Absobermaterialien (Phosphat-/Silikatabsorber, Aktivkohle,  Zeolith) mit angeboten.

PRO:

  • sehr natürliches und komplettes Versorgungssystem, Förderung eines ganzheitlichen Ökosystems
  • Langzeiterfahrungen vorhanden
  • gutes Forum und Informationsmaterial, klare Dosieranweisungen
  • für alle Beckentypen geeignet

CONTRA

  • ähnlich Zeovit recht viele Produkte zu dosieren
  • wenig transparent bzgl. der Produktzusammensetzung
  • keine verbrauchsabhängige Dosierung von Spurenelementen
  • relativ teuer

Triton

Offizielle Website der Tritonmethode:

https://www.triton.de/produkte-service/triton-methode/

Triton-Supportforum:

http://www.forum-triton.de

Gute Übersichtsseite zur Tritonmethode:

https://www.natur-riff.de/triton-handling/

Die Tritonmethode wurde von Ehsan Dashti 2008 entwickelt und seither immer weiter optimiert. Sie geht ähnlich wie die Zeovit-Methode deutlich über eine reine Versorgung der Riffbewohner hinaus. Die Tritonmethode stellt eine sehr logische Herangehensweise an das Thema Riffaquaristik dar. Sie ist grundsätzlich betrachtet eine konsequente Weiterentwicklung der bewährten Ballingmethode und des altebekannten Berliner Systems. Zu den Ballinglösungen wurden sämtliche wichtigen Spurenelemente in den sog. „Base-Elements“ hinzugefügt. In dem neuen Produkt „Core7“ wurden die Lösungen 7-fach aufkonzentriert, was nur unter grundsätzlicher Abänderung der chemischen Zusammensetzung der Ballinglösungen möglich war. Daher bezeichnet Triton die Core7-Reihe, die auch ohne komplette Tritonmethode als sog. „Core 7 other Methods“ zur Riffversorgung mit Calcium, Carbonaten und Magnesium verwendet werden kann, als „Dashti-Methode“. Hierdurch wird deutlich weniger Platz für die Lösungen im Unterschrank benötigt, was den meisten Aquarianern sehr gelegen kommen sollte. Im Rahmen der Tritonmethode werden die Konzentrationen von 32 Spuren- und Massenelementen regelmäßig (i.d.R. alle 3 Monate) mittels ICP-OES überprüft. Triton ist der Vorreiter dieser Technik und hat sie 2012 erstmalig der breiten Masse zur Verfügung gestellt. Diese Messmethode ist sehr komplex und wurde anhand tausender Proben aus Aquarien der ganzen Welt und echtem Meerwasser überprüft und verfeinert. Die Triton ICP-Analyse deckt 95% der Inhaltsstoffe natürlichen Meerwassers ab und macht das Innenleben des Aquariums für den Aquarianer so sehr transparent. Fehlende Elemente kann man gezielt aus einem großen Portfolio reinster von Triton hergestellter Elemente ergänzen, falls dies tatsächlich notwendig sein sollte. Anleitung gibt hier ein einfaches Ampelsystem bei jeder ICP-Analyse . Um einen Anstieg ungewünschter Elemente zu verhindern, stellt die Tritonmethode besonders hohe Ansprüche an den Filter des Beckens. Neben einer starken Abschäumung wird ein großes und sehr gut durchströmtes Algenrefugium gefordert. Zusätzlich werden Aktivkohle und Phosphatabsorber genutzt, um sehr niedrige Nährstoffwerte  zu erzielen. Das Algenrefugium soll vor der Abschäumerkammer positioniert sein (s. Skizze), damit ein möglicher O2-Verbrauch der Alge während der Dunkelphase ausgeglichen wird, bevor das Filterwasser das Hauptbecken erreicht. Zudem gelangen dann sämtliche Nährstoffe zur Alge und dienen hier dem Wachstum. Dieses wird zudem über spezielle Inhaltsstoffe der Base-Elements/Core7 gefördert. Die Alge wiederum gibt organische Substanzen ans Wasser ab, die den Korallen als Nahrung dienen. Zudem bildet sich im Refugium eine reiche Flora an Kleinstlebewesen und Plankton für Fische und Filtrierer. Eine zusätzliche Fütterung mit der Gefahr des Eintrags von Schwermetallen oder anderen ungewünschten Substanzen entfällt somit. Es entsteht ein Ökosystem, das chemisch und biologisch sehr nahe am natürlichen Ökosystem des Korallenriffs angesiedelt ist.

triton

PRO

  • ganzheitliche Methode (Filter + Versorgung), sehr logisch aufgebaut und auf das Notwendigste reduziert
  • natürliche Methode sehr nahe am natürlichen Ökosystem Korallenriff
  • hohe Transparenz der verwendeten Produkte
  • kein regelmäßiger Wasserwechsel notwendig
  • einfach durchzuführen und zu automatisieren (meist nur Dosierung von 4 Lösungen, keine Wasserwechsel, keine Fütterung bis auf Frostfutter)
  • geringeres Volumen der Stammlösungen als bei allen anderen auf Balling basierenden Methoden
  • hervorragende Einzelergebnisse (z.B. eigenes Showbecken) und Langzeiterfahrungen über mehrere Jahre seit 2008
  • klare Handlungsempfehlungen nach ICP-Testung
  • gutes Supportforum

CONTRA

  • spezielles Technikbecken/Filter mit relativ großem Algenrefugium benötigt
  • etwas unübersichtliche Homepage
  • teuer in großen SPS-Becken >800l
  • nicht für Weichkorallenbecken geeignet

Fazit

Auch wenn die obige Darstellung der meistverwendeten Versorgungssysteme keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, bietet sie hoffentlich eine gute Orientierung und Vergleichsmöglichkeit insbesondere für Anfänger im Dickicht der Meerwasseraquaristik. Für welches System man sich entscheidet, hat neben persönlicher Präferenz und eigenen Ansprüchen insbesondere aber auch mit dem Besatz zu tun. Während der anspruchsvolle SPS-Halter eher zwischen Triton und Zeovit auswählen wird, machen dieses Versorgungsmethoden bei reinen Weichkorallenbecken keinen Sinn. Hier kann man sich je nach Anspruch einfache Wasserwechsel oder einer Versorgung mit Sangokai überlegen. Die Ballingsysteme machen generell nur bei der Pflege von Steinkorallen mit relevantem Calcium- und Carbonatverbrauch Sinn.

CO₂, Alkalinität und Carbonatgleichgewicht im Meerwasseraquarium

Die Zusammenhänge rund um das gasförmige Kohlendioxid, seine gelöste Form im Meerwasser und die weitere Reaktion in Hydrogencarbonat (HCO₃⁻) sowie Carbonat CO₃⁻) ist wahrlich keine ganz einfache chemische Kost. Und doch müssen wir uns als Aquarianer daran machen, diese Zusammenhänge zu verstehen um konstante und gute Lebensbedingungen für unsere Beckenbewohner zu schaffen. Also: los geht’s mal wieder mit ein bisschen Meerwasserchemie!

Was hat CO₂ mit dem pH-Wert im Meerwasseraquarium zu tun?

Kohlendioxid (CO₂) ist der wesentliche pH-bestimmende Faktor im Meerwasseraquarium. Eine erhöhte CO₂-Konzentration geht nach der Gleichung CO₂ + H₂O ⇄ HCO₃⁻ + H⁺ mit einem Anstieg der H⁺-Konzentration und daher einem Abfall des pH-Wertes einher. CO₂ wird während der Beleuchtungsphasen durch die Zooxanthellen (Symbiosealgen der Korallen) und andere Algen im Rahmen der Photosynthese verbraucht. Während der Dunkelphasen wird es durch Fische und andere heterotrophe Organismen gebildet. Entsprechend ist der pH-Wert am Ende der Beleuchtungsperiode (i.d.R. am Abend) am höchsten, da hier am wenigsten CO₂ vorliegt. Umgekehrt ist er morgens am niedrigsten. Sind diese tageszeitlichen pH-Schwankungen zu extrem, kann man sehr gut mit einem Algenrefugium entgegenwirken, das antizyklisch zum Hauptbecken (also i.d.R. nachts) beleuchtet wird. Die Algen verwerten in der Nacht dann das CO₂, sodass ein relevanter pH-Abfall über Nacht verhindert wird. Die zahlreichen Vor- und (wenigen) Nachteile eines Algenrefugiums werden hier demnächst in einem weiteren Blogartikel von mir beschrieben.

Die CO₂-Gleichgewichte im Meerwasseraquarium

Gelöstes CO₂(aq) steht an den Grenzflächen (Beckenoberfläche, Abschäumer) im Gleichgewicht mit dem gasförmigen CO₂ der Umgebungsluft. Gelöstes CO₂ steht im Beckenwasser mit den Carbonaten im Reaktionsgleichgewicht und bildet das wichtigste Puffersystem im Meerwasser:

CO₂ + H₂O ⇄ HCO₃⁻ + H⁺ ⇄ CO₃²⁻ + 2H⁺

Die Lage dieses Gleichgewichts ist pH-abhängig. Bei einem pH von 8,2 liegen knapp 90% des CO2 in Form von HCO₃⁻ vor, ca. 9% in Form von CO₃²⁻ und nur ca. 1 % in Form von CO₂. Je höher der pH-Wert, desto mehr CO₃²⁻ ist vorhanden, je niedriger der pH, desto mehr ist das Gleichgewicht auf Seite des CO₂ verschoben. HCO₃⁻ liegt im pH-Bereich zwischen 6 und 9 als vorherrschende Carbonatspezies (stets > 50%) vor. Die Reaktionen des Carbonatgleichgewichts laufen kinetisch betrachtet sehr schnell ab. Zuführung von CO₂ senkt den pH ab, das Carbonatgleichgewicht verschiebt sich in Richtung von CO₂. Als Folge kommt es zur CO₂-Übersättigung (s.u.), sodass das eingeleitete CO₂ über Grenzflächen das Beckenwasser in Richtung Umgebungsluft verlässt (langsame Reaktion). Zuführen von Laugen (z.B. Kalkwasser, Ca(OH)₂) erhöht den pH und verschiebt das Carbonatgleichgewicht des Beckenwassers in Richtung CO₃²⁻. Das Wasser ist jetzt CO₂-untersättigt, sodass sich zusätzliches CO₂ der Umgebungsluft im Beckenwasser löst.

Wie entsteht eine Über- oder Untersättigung von CO₂?

CO₂ steht nur bei guter Oberflächenbewegung des Wassers und guter Abschäumung in einem Gleichgewicht zur Umgebungsluft. Zur Konstanthaltung des pH-Wertes sowie dem Austragen von CO₂ und gleichzeitigem Oxygenieren des Wassers ist daher eine gute Lüftung des Raumes, eine gute Abschäumung und eine gute Oberflächenbewegung des Aquarienwassers elementar. Die Umgebungsluft enthält in einem gut gelüfteten Raum etwa 0,036% CO₂. Gute Lüftung ist wichtig, da die Ausatemluft des Menschen etwa 4,5 % CO₂ enthält. Da der Gastaustausch im Meerwasseraquarium häufig nicht optimal ist und dann sehr langsam (über Tage) abläuft, kann eine CO₂-Über- oder Untersättigung entstehen. Die Menge von gelöstem CO₂ im Meerwasser (CO₂(aq)) ist abhängig vom pH-Wert und der Alkalinität. Sie kann einem Löslichkeitsdiagramm entnommen werden:

CO2 Sättigung

So kann man von einer vollständigen CO2-Sättigung ausgehen bei einem pH-Wert von 8,2 und einer Alkalinität von etwa 5,5. Da wir bei pH 8,2 meist eine Alkalinität von 7-8 im Becken vorliegen haben erkennt man, dass das Wasser fast immer CO₂-übersättigt ist (Bereich unterhalb der CO₂-Sättigungskurve). Liegt im Becken eine deutliche CO₂-Übersättigung vor, kann das folgende Ursachen haben:

  • schlechter Gasaustausch -> Gasaustausch verbessern
  • schlechte Raumlüftung -> Lüftung verbessern, Luftzufuhr in Abschäumer optimieren, Vorschalten von Atemkalk in die Luftzufuhr des Abschäumers (bindet CO₂ der Umgebungsluft)
  • zu hohe CO₂-Zufuhr im Kalkreaktor -> Zufuhr reduzieren
  • zu hoher Tierbesatz -> Besatz reduzieren

Liegt im Becken eine CO₂-Untersättigung vor, ist meist eine zu starke Photosynthese verantwortlich. Hier muss man manchmal ebenfalls entgegenwirken:

  • Kalkreaktor verwenden bzw. CO₂-Zufuhr erhöhen
  • besserer Gasaustausch

Ein guter Gasaustausch wirkt also sowohl einer CO₂-Über-, als auch einer CO₂-Untersättigung entgegen. Zudem verbessert er die Oxygenierung im Becken. Dies ist insbesondere nachts sehr wichtig, da hier keine Photosynthese stattfindet.

Was ist ein „Puffer“ und wie funktioniert der (Bi-)Carbonat-Puffer?

pH-Wert, CO₂-Konzentration und Alkalinität hängen im Riffbecken eng zusammen: Die CO₂-Konzentration bestimmt im Wesentlichen den pH-Wert, gleichzeitig bildet das Carbonatgleichgewicht das wichtigste Puffersystem im Meerwassers (ca. 97% der Pufferwirkung). Es verhindert, dass der Ein- oder Austrag von Säuren (H⁺) oder Laugen (OH⁻) zu extrem auf den pH-Wert auswirken. So wird z.B. entstehendes H⁺ gebunden: H⁺ + HCO₃⁻ ⇄ H₂CO₃ ⇄ H₂O + CO₂. Das Wassermolekül geht in Lösung, CO₂ verlässt über den Gasaustausch das Becken. Man erkennt, wie wichtig ein guter Gasaustausch für die Aufrechterhaltung des pH-Wertes ist. Andererseits entsteht bei Pufferung von Hydroxidionen nach OH⁻ + HCO₃⁻ ⇄ H₂O + CO₃²⁻. Beide Reaktionen führen zur Entstehung von Stoffen, die den pH-Wert nicht beeinflussen. Da bei der Zellatmung von lebenden Organismen v.a. Säuren anfallen, die den pH-Wert verringern würden, ist im Aquarium vor allem das Säurebindungsvermögen („Säurekapazität“ oder „Alkalinität“) von Bedeutung. Weitere, deutlich unwichtigere Puffersysteme im Meerwasseraquarium sind der Borsäure-Borat-Puffer, der Kieselsäure-Silicat-Puffer, der Phosphatpuffer und der Magnesiumpuffer. Sie machen zusammen aber nur ca. 3% der Pufferkapazität des Wassers aus.

Was ist die „KH“ und welchen Einfluss hat sie auf den pH-Wert?

Die Karbonathärte (KH) ist ursprünglich ein Begriff der Trinkwasseranalytik und definiert als der Teil der Erdalkalimetalle (Ca, Mg, Sr, Ba, etc.), der durch Erhitzen unter Bildung von Carbonaten ausgefällt werden kann. In der Meerwasserchemie sollte man eher von Alkalinität sprechen. Sie wird in Grad deutscher Härte (°dH) gemessen und entspricht im Wesentlichen der Menge an HCO₃⁻-, CO₃²⁻- und OH⁻-Ionen weniger der Menge an H⁺-Ionen. Ca. 97% der KH werden durch HCO₃⁻ und CO₃²⁻ (=Carbonatalkalinität) ausgemacht. Aufgrund der Tatsache, dass das Carbonatgleichgewicht im Meerwasseraquarium das wichtigste Puffersystem zur Bindung saurer oder basischer Valenzen darstellt, ist die KH direkt korreliert mit der Pufferkapazität des Wassers. Je höher die KH, desto stabiler also der pH-Wert des Wassers. Die KH kann man chemisch auf unterschiedlichem Wege erhöhen. Es kann durch Zugabe von Kalkwasser (Ca(OH)), Natriumcarbonat (beide eher bei niedrigem pH-Wert empfohlen) oder durch Zugabe des Ballingsalzes Natriumhydrogencarbonat (bei normalem pH-Wert) erfolgen. Auch ein Kalkreaktor kann insbesondere in großen Aquarien sinnvoll zum Anheben von KH (und Ca) eingesetzt werden.

Wie beeinflussen sich Calcifikation und pH-Wert?

Die Bildung von Kalk (Calcifikation) im Rahmen des Wachstums von Steinkorallen führt entsprechend der Reaktionsgleichung Ca²⁺ + HCO₃²⁻ ⇄ CaCO₃ + H⁺ zu einem Abfall des pH-Wertes (Bildung von H⁺). Löst sich Kalk im Meerwasser auf, dann steigt der pH-Wert entsprechend der Reaktionsgleichung CaCO₃ + H₂O ⇄ Ca²⁺ + HCO₃⁻ + OH⁻. Da Carbonate bei höherem pH-Wert weniger löslich sind als bei niedrigem pH, wirkt die Fällung und Lösung der Carbonate pH-Änderungen entgegen, sie puffert (s.u.). In der Süßwasseraquaristik ist Ca²⁺ das häufigste Kation und HCO₃⁻ das häufigste Anion. Das Gleichgewicht zwischen Kalkbildung und -Lösung ist ausgeglichen. Im Meerwasseraquarium ist das Löslichkeitsprodukt von Ca²⁺ und CO₃²⁻ fast immer überschritten. Lediglich Phosphate und andere vorhandene Ionen hemmen die Kalkausfällung kinetisch.

Plankton im Meerwasseraquarium

Plankton – was ist das überhaupt?

Plankton (altgr. „das Umherirrende“) ist die Bezeichnung für frei im Wasser schwebende Organismen deren Schwimmrichtung von den Wasserströmungen vorgegeben wird. Hierzu gehören bakterielle, pflanzliche (Phytoplankton) und tierische (Zooplankton) Lebensformen mit meist wenigen Micrometern bis zum Teil sogar wenigen Metern Größe (Quallen zählen definitionsgemäß auch zum Plankton). Einzellige Kieselalgen machen den Hauptteil des Phytoplanktons aus, zudem zählen hierzu Grünalgen, Goldalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien (Blaualgen, eigentlich Bakterien). Es wird geschätzt, dass die durch Phytoplankton betriebene Photosynthese in den Weltmeeren für die Produktion von 50 bis 80 % des Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich ist. Phytoplankton vermehrt sich insbesondere in nährstoffreichem Wasser. Das Zooplankton ist wesentlich heterogener zusammengesetzt als das Phytoplankton und besteht hauptsächlich aus den Larvenstadien unzähliger Tierarten. Diese ernähren sich entweder von Phytoplankton oder kleinerem Zooplankton. Ruderfußkrebse der Gattung Calanus bilden zusammen mit Krill die Hauptmasse des Zooplanktons.

Plankton als Korallennahrung

Korallen sind mixotrophe Lebewesen – sie können auf zwei Ernährungsformen zurückgreifen, je nach zur Verfügung gestellter Quelle.  In erster Linie nutzen Korallen Kohlenstoffverbindungen als Nahrung, die Ihnen durch die symbiontischen Zooxanthellen mittels Photosynthese aus Licht zur Verfügung gestellt werden (autotrophe Ernährung). Zooxanthellen sind wiederum auf Licht und vorhandene Nährstoffe im Umgebungswasser angewiesen, u.a. Nitrat und Phosphat. Daneben sind Korallen als Filtrierer in der Lage, sich an Mikroplankton sowie Nährstoffen aus dem Umgebungswasser als Nahrungsquelle zu bedienen (heterotrophe Ernährung). Dieses Video zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise die Aufnahme von spezieller Korallennahrung durch LPS:

Insbesondere Kaltwasserkorallen, die in tieferen Gefilden von 40 bis zu 3400 m Meerestiefe leben und aufgrund des fehlenden Lichts keine Zooxanthellen (Azooxanthellaten, „Azoos“) besitzen, ernähren sich ausschließlich heterotroph.

Planktonfütterung im Meerwasseraquarium – macht das Sinn?

Phyto- und Zooplankton wird schon lange Zeit in der Aufzucht von Meerwasserfischen genutzt. Hierbei spielen insbesondere Artemia-Naupilen, Brachionus und Copepoden eine zentrale Rolle für die Aufzucht von Fischlarven. Auch für adulte Fische, insbesondere Nahrungsspezialisten wie z.B. Synchiropus splendidus u.a. Leierfische kann eine Fütterung mit lebendem Plankton (ausgewachsenen Artemien oder Tigriopus californicus („Tiggerpods“) eine wichtige Rolle spielen. Diese wird insbesondere in jungen Becken ohne nennenswerte eigene Planktonnachbildung relevant. Plankton kann aber auch als Korallennahrung genutzt werden. Diese aktive Fütterung hat in den letzten Jahren insbesondere bei LPS Korallen (z.B. Acanthastrea, Lobophyllia, Tachyphyllia) einen Trend ausgelöst. Hierzu kann sowohl lebendes als auch totes Phyto- bzw. Zooplankton an einer gut durchströmten Stelle in das Becken oder sogar gezielt mit der Futterpipette auf auf die jeweilige Koralle gegeben werden. Hierbei ist es ratsam die Strömung im Becken für mindestens 10 Minuten zu pausieren, damit die Schwebeorganismen nicht sofort von den Korallen wieder abgetragen werden und die Tiere genug Zeit haben, die Partikel über ihre Polypen aufzunehmen.

Doch macht diese Mühe überhaupt Sinn? Wie so oft im Bereich Meerwasser-Aquaristik streiten sich auch beim Thema „Korallenfütterung“ mal wieder die Geister. Mindestens genauso zahlreich wie Berichte, die ein verbessertes Polypenbild, eine ausgeprägtere Farbgebung und ein schnelleres Wachstum insbesondere bei LPS Korallen durch eine aktive Planktonfütterung proklamieren gibt es Gegner der Fütterung. Diese verweisen neben dem fehlenden nachgewiesenen Nutzen aufgrund der vorwiegend autotrophen Ernährungsweise der in den meisten Riffbecken beheimateten Korallen vor allem auf die möglichen schädigenden Einflüsse des Futtereintrags in das Ökosystem Meerwasseraquarium. Hierzu zählt ein Anstieg der Nährstoffe wie Stickstoffverbindungen (Nitrat, Nitrit, Ammonium) und Phosphat ebenso wie ein möglicher Eintrag von Stoffen, die neben dem Plankton in den diversen Präparaten der Herstellen enthalten sind. Das sind neben Spurenelementen wie Lithium oder Zink auch Schwermetalle wie Kupfer, die bereits in relativ geringen Mengen gefährlich für das Becken werden können.

Abhilfe kann hier eine ICP Testung bieten, die z.B. bei Triton (https://www.triton-lab.de) durchgeführt werden kann. Befinden sich hierbei keine Elemente im gefährlichen Bereich und profitieren die Korallen nach dem persönlichen Eindruck von der Fütterung, spricht sicherlich nichts dagegen, diese unter regelmäßigen ICP Kontrollen (ca. alle 3 Monate) fortzuführen. Je nach Beckengröße kann es nämlich durchaus zu einer Akkumulation gefährlicher Stoffe im Laufe der Zeit kommen. Generell gilt, dass eine ausgewogene Fütterung von Korallen relativ schwer zu erzielen ist und sehr vorsichtig durchgeführt werden sollte. Nitrat und Phosphat sollten in engeren zeitlichen Abständen (je nach Beckengröße z.B. 1x/Woche) kontrolliert werden. Die Fütterung ist dann bei einem nennenswerten Nährstoffanstieg auszusetzen oder zu reduzieren. In Becken mit Azooxanthellaten ist eine hohe Futterdichte planktonischer Organismen natürlich absolut notwendig, um die Korallen am Leben zu halten.

Einen Anstieg der Planktondichte kann man aber auch natürlich erzielen, z.B. mit Refugien, Pelletreaktoren, größeren Mengen an Lebendgestein bzw. durch eine gute ausgereifte Beckenfauna bei ausgewogenem Beckenbesatz. Diese Methoden der kontinuierlichen Planktonnachbildung im Becken bzw. Filtersumpf, die mit dem Planktonverbrauch durch Korallen, niedere Tiere und Fische im Gleichgewicht stehen, sind meiner Meinung nach immer der Zufütterung von Plankton von außen vorzuziehen. Allerdings ist dies auch die Königsdisziplin der Meerwasseraquaristik, nämlich ein stabiles Ökosystem zu schaffen. Überwiegen Planktonkonsumenten bei sehr guten Wasserwerten und stehen bestimmte Korallen (insbesondere Azoos/LPS) nicht gut im Becken, ist die Zufütterung von Phyto-/Zooplankton aber durchaus einen Versuch wert.

Welches Korallenfutter / Plankton soll ich verwenden?

Es gibt unzählige verschiedene Korallenfutter / Planktonpräparate nahezu aller Hersteller auf dem Markt, sodass ich ohne auch nur annähernd die gesamte Produktpalette selber getestet zu haben, keine vollumfassende Aussage zu dieser Frage machen kann. Im Laufe der Zeit kann ich aufgrund eigener Erfahrungen oder der Erfahrung sehr vertrauenswürdiger Quellen folgende Produkte durchaus empfehlen kann:

  • Nyos Reef Pepper / Instant Plankton: getrocknetes Phytoplanktonkonzentrat, das aufgrund von Lufteinschlüssen lange in der Wassersäule bleibt; wird direkt von Filtrierern und insbesondere LPS aufgenommen und kurbelt die Phytoplanktonentstehung im Becken an; nach meiner Erfahrung kein relevanter Eintrag von schädlichen Nährstoffen oder Schwermetallen, enthält auch Vitamine; mein Fütterungsvorschlag: Zugabe von 1 Löffel 1x/Woche oder 1x alle 2 Wochen.
  • Fauna Marin LPS Grow + Color: LPS Granulatfutter zum direkten Füttern von LPS wie Acanthastrea, Gorgonien; teilweise mit sehr positiven Effekten und ebenfalls ohne schädigende Begleitsubstanzen.
  • Lebende Artemien (selbst gezüchtet): verwende ichIMG_2059 als Ergänzung zu Frost-Artemien, die meine Fische sehr lieben und ja auch von größeren LPS und Anemonen gerne angenommen werden. Zu empfehlen sind hier qualitativ hochwertige Artemia-Eier der Qualitätsstufen „AF“ oder „Platinum“ (z.B. von Algova), da sie mehr Zysten pro Gramm enthalten und zudem einen höheren Gehalt an hochwertigen Fettsäuren aufweisen. Nach dem ersten Öffnen sollten die Eier in kleineren Gefäßen eingefroren
    erden, um eine hohe Schlupfrate zu erhalten.
  • Lebende Tigriopus californicus („Tiggerpods“):  benutze ich ab und zu um die Ernährung z.B. für meine Leierfische reichhaltiger zu gestalten; entweder selbst gezüchtet, bei gut sortiertem Meerwasserhändler oder z.B. bei Aquacopa (www.aquacopa.de) zu bekommen. Letztere Firma hat sich auf die Herstellung von lebendem Plankton spezialisiert (Beutel mit hoher Dichte lebender Organismen).
  • IMG_2283Tropic Marin Reef Mud Vital: Special Tipp (kein Plankton im engeren Sinne)!; wird aus natürlichen Schlammfeldern im Pazifik gewonnen, die vereinzelt in ca. 10-15 m Tiefe in der Nähe von Korallenriffen  vorkommen; belebt die Bakterienflora und führt Mikronährstoffe und Mineralien in natürlicher Konzentration dem Becken zu. Meine Dosierung: alle 1-2 Wochen einen Löffel in etwas Beckenwasser auflösen und abends zugeben. Keine Ansammlung von Schadstoffen, da natürliches Produkt. Führt nach initialer Beckentrübung zu deutlich klarerem Beckenwasser.

Easy-to go SPS-Korallen

Was sind „SPS Korallen“ und warum will sie jeder haben?

SPS steht für „small polyp scleractinians“, also auf Deutsch „kleinpolypige Steinkorallen“. Diese erfahren seit den 90er Jahren und der Einführung der Ballingmethode sowie von Calciumreaktoren einen absoluten Hype in der Meerwasseraquaristik. Zum Einen liegt dies sicherlich am Reiz des „Schwierigen“, denn SPS gelten als die am schwersten zu haltenden Steinkorallen. Außerdem besitzen sie durch ihre typischen Wuchsformen, knalligen Farben und kleinen Polypen doch ein ganz andere Wirkung im Meerwasserbecken als die bekannten und zu früheren Zeiten deutlich weiter verbreiteten Weichkorallen und LPS („large polyp scleractinians“). Aufgrund der häufig geringeren Nesselkraft sind sie zudem deutlich dichter nebeneinander zu platzieren als LPS, was zum Teil wahrhaft bombastische Riffgestaltungen zulässt. Zudem wachsen SPS schneller als LPS. Übrigens: eine klare Grenze in der Polypengröße ist zwischen LPS und SPS nicht festgelegt, da es sich bei den Begriffen mehr um aquaristische Laiennomenklatur als korrekte wissenschaftliche Systematik handelt. In der Tat verläuft die Grenze zwischen beiden Kategorien aber sehr fließend und sogar zwischen einzelnen taxonomisch definierten Steinkorallenfamilien und -gattungen hindurch. Manche Steinkorallen sind eigentlich gar keiner der beiden Kategorien eindeutig zuzuordnen (z.B. Gonioporas).

Trotz der grundsätzlich hohen Ansprüche an Störmung, Wasserqualität und Licht sind SPS aber eben gerade seit der Einführung von Methoden zur Stabilisierung des Calcium- und Karbonathaushalts im Meerwasserbecken gar nicht mehr unbedingt so schwer zu pflegen. Insbesondere einige Gattungen unter den SPS sind sogar absolut einsteigertauglich, da sie keine extrem hohen Anforderungen an Strömung und Bleuchtungsstärke haben. Zudem verkraften Sie zum Teil auch einmal schwankende Wasserwerte. Dass alle SPS nur unter einem Phosphatwert von 0,01 mg/l und einem nicht messbaren Nitratwert wachsen, ist zudem ein überholter Irrglauben. Manche extrem erfahrenen Meerwasserquaristen halten tolle SPS Becken mit Phosphatwerten jenseits von 2.0-3.0 mg/l (sehr lehrreich ist z.B. dieser Vortrag von Richard Ross von der MACNA 2014: https://www.youtube.com/watch?v=ZRIKW-9d2xI). Bei den Wasserwerten kommt es vor allem auf Stabilität und Kontinuität an.

Sicher ist jedoch, dass manche SPS Spezies deutlich verträglicher zu halten sind als z.B. viele Acroporas. Diesen speziellen SPS Korallen ist der aktuelle Blogartikel gewidmet.

Einfach zu pflegende SPS-Korallen

Montipora

Montipora gilt gegenüber der zweiten wichtigsten SPS-Gattung aus der Familie der Geweihkorallen („Acroporidae“), den Acroporas, als die einfacher im Aquarium zu pflegende Gattung. Es gibt derzeit 89 gültige Monti-Arten. Sie wachsen in unterschiedlichsten Wuchsformen, häufig auch blattförmig (foliös) oder riffbedeckend krustenartig – eine Besonderheit, die nur wenige Acroporas bieten. Die Wachstumsraten sind unterschiedlich, einige Monits wachsen jedoch extrem schnell. Gegenüber Acroporas haben Montis den Vorteil, dass sie auch in recht unreifen Becken gut wachsen. Hier könnte eine geringere Abhängigkeit von Kragengeißelzellen okkulter Schwammarten eine gewisse Rolle spielen.

Beispiele für tolle easy-to go Montiporas:

  • Montipora digitata (baumartiges, arborescentes bis digitates Wachstum; Fraben: blau, violett, türkis-grün, gelb)
  • Montipora foliosa (scheibenartiges „foliöses“ Wachstum; Farben: rot, gelb, grün)
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Tolle Montipora digitata in einer grün-türkis fluoreszierenden Farbmorphe unter Royal-blauer LED Beleuchtung.

 

Platzierung:

Montiporas benötigen ausreichend Licht und Strömung (Polypen sollten sich bewegen). Allerdings gedeihen sie auch bei etwas schlechteren Licht- und Strömungsverhältnissen, sodass sie häufig unterhalb von Acroporas platziert werden. Beachten sollte man, dass foliös wachsende Montis darunter liegende Korallen komplett abschatten können, daher lieber tief im Riff anbringen.

Pflegetipps:

Achten auf ausreichenden Kalzium- und KH-Wert sowie klares Wasser. Fütterung nicht notwendig, ob Montis davon profitieren ist unklar.

Fragmentierung:

völlig problemlos, Vorsicht ist beim Abbrechen geboten, lieber mit Zange oder Dremel an geeigneter Stelle vorsichtig schneiden

Seriatopora

Seriatopora gehören zusammen mit den anderen einfach zu pflegenden Gattungen, Stylophora und Pocillopora, zu der Familie der Becherkorallen (Pocilloporidae). Obwohl die gesamte Gattung der Pocilloporidae schnell wächst, schlägt Seriatopora die Wachstumsrate der anderen beiden Gattungen noch einmal um Längen. Dies gilt für beide wichtigsten Arten der Seriatoporas, die S. hystrix und die S. caliendrum. Erkennen kann man Seriatoporas an den „seriellen“, also gerade hintereinander aufgereihten Anordnung ihrer Koralliten (Polypennester).

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Grüne Seriatopora caliendrum – eine Koralle mit unheimlicher Wachstumsgeschwindigkeit. Darunter eine, wohlmöglich aufgrund Abschattung degenierende Acanthastrea lordhowensis.

Pflegetipps:

Aufgrund des extrem schnellen Wachstums muss man sehr genau auf die Calcium-, Magnesium- und Karbonatversorgung im Becken achten. Da bei hohem Seriatoporabesatz der Magnesiumlevel wachstumslimitierend sein kann, bietet sich hier die Verwendung von modernen Magnesium (und KH-)reichen Pro-Riffsalzmischungen für die Wasserwechsel an. Zudem sollte die Strömung wirklich hoch sein, da Seriatoporas aufgrund des schnellen Wachstums rasch zu großen Stöcken heranwachsen, die sehr dichte Äste bilden. Es sind Fälle beschrieben, wo ein ganzer Stock aufgrund von schlechter Durchströmung der inneren Korallenanteile von dort degeneriert und binnen 1-2 Tagen komplett abgestorben ist. Fragmentierung: leicht.

Pocillopora

Unter den Pocilloporas ist insbesondere P. damicornis eine extrem schnell wachsende und je nach Umgebungsbedingungen wandelbare Art. Sie gibt es häufig in gelblichen und pinken Farbvarianten. Zu achten ist auf eine starke Beleuchtung und regelmäßiges Zurückschneiden, da sich Pocilloporas sonst selbst abschatten und absterben können. Nicht in ganz frische Becken einsetzen. Andere Pocillopora-Arten sind etwas schwieriger im Aquarium haltbar und damit eher keine Einsteiger-SPS, am häufigsten anzutreffen sind noch P. elegans und -verrucosa. Farbmorphen häufig abhängig von Beckenbedingungen: pink, gelb, weiß, z.T. ineinander übergehend. Fragmentierung ist problemlos möglich.

Stylophora

Unter den Stylophoras ist insbesondere S. pistillata in einer pink-violetten Farbmorphe verbreitet, die auch als „Milka“ bezeichnet wird. Die Milka ist ebenfalls schneller wachsend als die meisten Acros, jedoch deutlich langsamer als Seriatoporas. Sie bildet sehr schöne dicke Skelettäste aus und ist daher schwerer zu fragmentieren als andere SPS Gattungen. Stylophora wachsen langsamer als Seriatopora und Pocillopora. Sie sind wie die anderen beiden Becherkorallen-Gattungen grundsätzlich pflegeleichte SPS, die auch einmal nicht ganz perfekte Wasserwerte sowie mittelstarke Beleuchtung akzeptieren.

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Tolle intensiv violette Stylophora pistillata („Milka“) in einem Nest von pumpenden Xenien.

Porites

Porites ist der Hauptvertreteder der Familie der Poritidae, der obwohl schon seit den 80er Jahren in der Aquaristik bekannt, nie so richtig große Verbreitung in dem Hobby gefunden hat. Dies mag an der doch häufig eher biederen, meist braunen Farbgebung der Porties liegen. Neben der Tatsache, dass sie jedoch sehr gut haltbar für SPS Korallen sind, macht sie jedoch auch eine weitere Eigenheit zu einer wahren Bereichung im Riffbecken: Sie kommen häufig in Symbiose mit kleinen, farbenfrohen Röhrenwürmern der Gattung Spirobranchus vor, die dann zahlreich aus ihnen „herausluken“. Zudem kommen ähnliche Lebensgemeinschaften mit Muscheln, Einsiedlerkrebsen oder Schnecken vor, die sich in den Höhlen der Kalkröhrenwürmer niederlassen oder vom Korallengewebe ernähren. Nicht erschrecken: Porites können sich „häuten“, indem sie ein Schleimsekret absondern, das in der Natur dazu dient, Sedimentablagerungen in der Gezeitenzone loszuwerden. Daher möglichst nicht mit direkt füttern! Sie sind etwas anspruchsvoller als die anderen hier vorgestellten Gattungen, benötigen eher starke Strömung und Licht, da sie sonst an der Basis zu Gewebedegeneration mit Fadenalgenbewuchs neigen.

Goniopora

Gonioporas gehören in die Familie der Portitidae. Zwar zählen viele Autoren sie zu den LPS, jedoch gibt es zahlreiche Gonios mit kleineren Korallitendurchmessern unter 5 mm, sodass sie gut auch als SPS oder gar nicht zu einer der beiden großen aquaristischen Steinkorallen-Kategorien klassifiziert werden können. Und sie bereichern ein easy-mode SPS Becken aufgrund ihrer länglichen Tentakel enorm! Diese unterscheiden sich durch ihre 24 Spitzen von den ähnlichen Alveoporas, die nur 12 Tentakel auf der Mundscheibe besitzen. Gonioporas sind grundsätzlich einfach zu halten und besitzen unterschiedlichste schöne Farbvarianten.

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Oberhalb des Röhrenwurms zwei tolle kleinpolypige Gonioporas, die sich in meinem Aquarium trotz schlechten Bedingungen im Händlerbecken super erholt haben.

Allerdings sollte man auf einen ausreichenden Anteil an Mangan im Meerwasser achten (ICP-Messung, wenn Gonioporas nicht gut stehen). Moderne Wasseranalysen haben gezeigt, dass der höhere Gehalt an Mangan in bestimmten europäischen Meersalzmischungen den Erfolg der Gonioporahaltung ggü. den USA erklären könnte. Zudem sollte man aufgrund der längeren Tentakel auf einen ausreichenden Abstand zu Nachbarkorallen achten. Allerdings nesseln Gonios nicht besonders stark. Eine Fütterung wirkt sich durchaus positiv auf Gesundheitszustand und Wachstum von Gonioporas aus. Nicht erschrecken: die Tentakel ziehen sich nach der Fütterung mit kleinem Plankton oder Staubfutter umgehend in das Skelett zurück. Gonioporas mit großen Korallitendurchmessern > 5mm gelten als schwerer zu halten sollten daher eher gemieden werden, tendentiell benötigen sie eher höhere Nährstoffkonzentrationen als die gut aquarienhaltbaren „SPS-ähnlichen“ Gonios.

Die Balling-Methode verstanden – so funktioniert die wichtige Kalkversorgung im Riffaquarium

Was ist die Balling-Methode?

Bei der Ballingmethode handelt es sich um eine Methode Calcium-, Hydrogencarbonat- und Magnesiumionen dem Meerwasser zuzusetzen. Diese 3 Mengenelemente werden insbesondere in Steinkorallenaquarien (SPS>LPS) zum Skelettwachstum der Korallen benötigt und daher in großer Menge verbraucht. Die Haltung anspruchsvollen SPS Korallen wurde im Zuge der Beschreibung der Balling-Methode durch Hans-Werner-Balling sowie die Erfindung von Kalkreaktoren als alternativer Methode in den frühen 90er Jahren überhaupt erst möglich. Generell muss man wissen, dass aus der „klassischen“ Balling-Methode über die Jahre mehrere Spielarten erwachsen sind, deren wichtigste Vertreter hier kurz als „verbrauchsorientierte Ballingmethode“, „Balling Light“ und „Balling Plus“ mit ihren Vor- und Nachteilen erklärt werden sollen. Zudem soll dieser Blog ganz konkret das Vorgehen der Riffversorgung im Rahmen der Ballingmethode beschreiben und Vor- und Nachteile ggü. anderen Methoden der Kalksubstitution erläutern. Die chemischen Zusammenhänge werden so einfach wie möglich erklärt, aber auch so, dass sie jeder zu Hause selber nachrechnen und nachvollziehen kann.

Was brauche ich für die Balling-Methode und wie ist das Grundprinzip?

Die klassische Balling-Methode besteht grundsätzlich aus 3 chemischen Stammlösungen, welche dem Meerwasser täglich zugesetzt werden:

  • Teil A: Calciumchlorid-2-hydrat
  • Teil B: Natriumhydrogencarbonat
  • Teil C: Natriumchloridfreies Meersalz

Die Grundlage der Ballingmethode ist folgende Reaktionsgleichung:

CaCl + 2 NaHCO3 -> CaHCO3 + 2 NaCl + H2O + CO2

Es entsteht also aus Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat Calciumcarbonat (Kalk), Kochsalz, Wasser und Kohlendioxid. Alle chemischen Stoffe sind im Meerwasser natürlich gelöst, also in Ionenform vorliegend. CO2 wird von den Korallen und Algen zur Photosynthese verwendet. Das entstehende Wasser (H2O) schadet in einem Aquarium ebenfalls nicht. Das eigentlich Geniale an den verwendeten Ausgangssalzen ist aber, dass als weiteres Nebenprodukt Kochsalz entsteht, welches sowieso den wesentlichen Massenanteil am Meersalz ausmacht. Insgesamt führt insbesondere das entstehende NaCl (zu 70%) aber zu einem leichten, langsamen Dichteanstieg im Meerwasser. Das CaHCO3 wird insgesamt nur in dem Maße zugeführt, wie die Korallen es in ihr Steinskelett einbauen.

Das NaCl-freie Meersalz dient zum Ausgleich der Ionenbalance. Es enthält kein NaCl und wird in dem Maße dosiert, dass eine Ionenbalance aus anderen Ionen (z.B. Magnesium, Kalium, Fluorid, Bromid, Iodid, etc) und NaCl hergestellt wird, wie sie in natürlichem Meersalz vorkommt. Würde man nur CaCl und NaHCO3 dosieren, würde langsam aber sicher der Anteil an NaCl im Becken ggü. sämtlichen anderen im Meerwasser vorkommenden Ionen zunehmen. Das NaCl-freie Meersalz trägt zu 30% des Dichtenanstiegs durch die Ballingmethode bei.

Im Falle von „verbrauchsorientierter Ballingmethode“ und „Balling Light“ wird das NaCl-freie Meersalz, dessen wichtigste Aufgabe die Supplementation des Beckens mit Magnesiumionen ist, durch Magnesiumchlorid oder -sulfat ersetzt. Die Ergänzung des Beckens mit Spurenelementen (die eben auch im NaCl-freien Meersalz vorkommen), muss man dann aber zusätzlich durchführen oder darauf verzichten. Insgesamt sind solche Methoden dann auch mehr von Wasserwechseln abhängig, um die Ionenbalance im Meerwasser aufrecht zu erhalten. Bei Durchführung von regelmäßigen Wasserwechseln (ca 5-10% pro Woche), bei denen der Dichteanstieg berücksichtigt wird, muss man sich um die Ionenbalance aber bei egal welcher Ballingmethode keine Gedanken machen.

Was sind die Vor- und Nachteile der Balling-Methode?

Gegenüber den früher weiter verbreiteten Kalkreaktoren und organischen Calciumlösungen (z.B. Tropic Marin Carbocalcium) als Alternativmethoden zur Kalksubsitution von Riffaquarien bieten die Balling-Methode folgende Vorteile:

  • keine technische Ausstattung benötigt
  • keine Ionenverschiebung/chemische Missverhältnisse bei korrekter Anwendung
  • gleichzeitige individuelle Dosierung von Spurenelementen in den Lösungen möglich („Balling Plus“)
  • individuelle Einstellung von Calciumkonzentration, KH und Magnesiumkonzentration möglich („verbrauchsorientierte Ballingmethode“)
  • günstig

Folgende Nachteile hat die Balling-Methode

  • für sehr große Becken (>2000 Liter) werden sehr große Mengen an Stammlösungen benötigt, da die Löslichkeit der Ballingsalze nur gewisse Höchstkonzentrationen in Osmosewasser zulässt
  • langsamer Dichteanstieg durch die zusätzlich zugeführten Ionen – dieser muss beim regelmäßigen Wasserwechsel mit berücksichtigt werden
  • ganz ohne Wasserwechsel kommt die Methode daher meist nicht aus (ausser wenn in kleineren Becken der Salzaustrag durch Abschäumung und andere Verluste gleich dem Dichteanstieg durch die Ballingmethode ist)
  • Die Zugabe von CaCl- und NaHCO3-Lösung muss im Abstand von ca. 1-5 Minuten erfolgen, um Ausfällungen zu vermeiden
  • zur Konstanthaltung der Ca,- KH-, und Magnesiumkonzentrationen ist eine mind. tägliche Zugabe der Ballinglösungen notwendig, diese wird durch eine Dosieranlage erleichtert (ist aber kein Muss)

Ingesamt liest sich die Liste der Nachteile zwar lang, dies sind aber nur Kleinigkeiten ggü. den großen Vorteilen der Ballingmethode (günstig, einfach, individualisierbar), zumindest in kleinen und mittelgroßen Becken.

Klassische Ballingmethode vs. „verbrauchsorientiert“, „Light“, „Plus“ & Co

Klassische Ballingmethode:

Alle 3 Teile werden zu gleichen Mengen dosiert, nachdem die idealen Konzentrationen von Ca, NaHCO3 und Mg im Meerwasser eingestellt wurden. Wenn das für die Wasserwechsel verwendete Meersalz diese Konzentrationen auch besitzt, sind keine Veränderungen der Konzentrationen der Ballingsalze zu erwarten, da Korallen diese stöchiometrisch nach der Reaktionsgleichung verbrauchen.

Balling verbrauchsorientiert:

Individuelle Mengendosierung von Teil A, B und C. Notwendig bei nicht idealen Meersalzmischungen.

Balling Light:

Methode von Fauna Marin mit speziellen Salzmischungen. Keine Verwendung von NaCl-freiem Salz, regelmäßige Wasserwechsel notwendig.

Balling Plus:

Balling klassik + Zugabe von Spurenelementen über die Ballinglösungen. Somit vollständige Supplementationsmethode zur vollwertigen Elementdosierung von Riffaquarien. Die Zugabe der Spuris erfolgt in Teil A und/oder B je nach Angabe des Herstellers (z.B. A- und K+ Elements von Tropic Marin) und gewünschter Konzentration. Vorteil: kontinuierlicher Spuriersatz, der verbrauchsorientiert an die Massenelemente Ca und NaHCO3 gekoppelt ist.

Wie dosiere ich die Balling-Salze in der klassischen Ballingmethode?

Die klassische Ballingmethode ist m.E. die Methode der Wahl, kann individualisiert werden durch Zugabe von Spuris („Balling plus“) und führt bei korrekter Anwendung und Verwendung von gutem, möglichst natürlichem Meersalz nicht zu einer Verschiebung der Konzentrationen von Ca und KH. Die „verbrachsorientierte Ballingmethode“ ist dann nicht notwendig. Man benötigt keinen Online-Rechner, Aqua Calculator oder andere Tools sondern geht einfach vor wie weiter unten erläutert. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, werden daher nur „Balling klassik“ und „Balling plus“ im Detail erläutert. Guides für „Balling Light“ gibt es auf der Fauna Marin Website.

Klassische Balling-Dosierung – Menge pro 1 l Umkehrosmose-Wasser:

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A): 73,5 g
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B): 84 g
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C): 25 g

Daraus ergeben sich folgende Konzentrationen der Stammlösungen:

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A): 20.000 mg/l  (ppm) Ca
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B): 2800° dKH/l
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C): 3350 mg/l Mg; 980 mg/l  K

Diese Mengen ergeben sich aus dem stöchiometrischen Verbrauch der Elemente nach der obigen Reaktionsgleichung und der maximalen Löslichkeiten von NaHCO3 und NaCl-freiem Meersalz, welche bei 90g/l bzw. 25 g/l liegen.

Max. Löslichkeiten:

  • CaCl*2H2O: 800 g/l
  • NaHCO3: 90 g/l
  • NaCl freies Salz: 25 g/l

Wie kommt HWB auf 25g NaCl-freies Meersalz?

  • in der Reaktion entstehen pro 1/2 mol CaCl (=73,5g) 1 Mol NaCl (=58,4 g/mol)
  • 70% des Dichteanstiegs macht dieses NaCl aus, etwa 30% entfallen auf das NaCl-freie Meersalz: 58,4/70*30 = 25 g

Welche Konzentrationen sind in einem Steinkorallen-Aquarium empfohlen?

  • Calciumchlorid-2-hydrat (Teil A) erhöht Calcium: 400 – 450 mg/l (ppm) Ca (z.B. 420 mg/l)
  • Natriumhydrogencarbonat (Teil B) erhöht KH: 6 – 9° dKH (z.B. 7 °dH)
  • Natriumchloridfreies Meersalz (Teil C) erhöht Magnesium und Kalium: 1250-1350 mg/l Mg; ~400 mg/l K+

Da immer nach der obigen Reaktionsgleichung stöchiometrisch verbraucht wird, die NaHCO3- und NaCl-freie-Meersalzlösungen aber schon an der Sättigungsgrenze sind, kann man zu Reduktion der Ansetzhäufigkeit die CaCl-Lösung auch doppelt oder 4-fach konzentriert ansetzen und entsprechend nur die Hälfte oder 1/4 des Volumens der NaHCO3- bzw. der NaCl-freien-Meersalzlösung dosieren zu lassen. Viel gewinnt man aber nicht, da man sowieso NaHCO3- und Meersalz-Lösung ansetzen muss. Somit machen auch verbrauchsorientierte Ballingdosierungen (z.B. mehr Teil A als Teil B) wenig Sinn, sie führen nur leichter zu einer Ionenverschiebung, da man nicht immer nach der Balling-Gleichung stöchiometrisch zudosiert. CAVE: Sie werden notwendig, wenn man ein Meersalz zum Wasserwechsel verwendet, dass nicht die gewünschten Zielkonzentrationen der Elemente hat. Dann bringt man mit jedem Wasserwechsel die eigentlich gewünschten Konzentrationen aus dem Gleichgewicht.

Dosierung

Vorgehen beim Start:

Einstellen der idealen Werte (höhere Werte abfallen lassen, niedrigere durch entsprechende Zugabe von Salzen erhöhen):

  • Dichte 1,0233 oder 34,8 Promille
  • Ca 420 mg/l
  • KH 7° dH
  • Mg 1325 mg/dl

(das verwendete Meersalz für die Wasserwechsel sollte bei der entsprechenden Dichte möglichst genau diese gewünschten Werte ergeben, da sonst die Balling-Methode gestört wird! Ideales Meersalz hierzu ist Tropic Marin Pro Reef, es enthält zudem Spuris in optimalen Dosierungen und keine Verunreingungen mit Schwermetallen o.ä. Dies wurde von mir via ICP-OES Analyse überprüft.)

Dann Start der Stammlösungen, z.B. nach meiner Empfehlung:

  • 20 ml / 100 l Aquarienvolumen (oder Berechnung der notwendigen Ca-Menge (s.u.) mittels Calcium-Bestimmung nach 3-5 Tagen)
  • Nachmessen der KH am Folgetag und nachjustieren
  • Nachmessen von KH/Ca/Mg nach 3 Tagen, wenn KH konstant
  • so wird die Dosierung für ein konstantes Äquilibrium ermittelt, stets auch nachkontrollieren bei Besatzänderungen sowie regelmäßig z.B. jeden Monat Messung von Ca/Mg (grundsätzlich reichen regelmäßige KH-Kontrollen).

Ein bisschen Chemie & Mathe – Balling verstehen…

Um ohne Ballingrechner klarzukommen, kann man bei regelmäßigen Messungen von Ca, Mg und KH einfach nach Gefühl die Dosierung der Stammlösungen um einige ml verändern und einen Tag später nachmessen, ob man sich in die richtige Richtung bewegt. Einfacher wird es aber mit etwas chemischem Verständnis. Dann ersetzt man ad hoc einfach die Fehlende Menge des Elements bei bestehenden Defiziten und stellt die dauerhafte Dosierung nur etwas nach oben. Max. sollte man Ca um ca 20 mg/l, Magnesium um 100 mg/l und KH um 2° dH pro Tag anheben. Bei zu hohen Konzentrationen einfach Dosierung pausieren und den Wert abfallen lassen. Um etwas Balling rechnen zu können, muss man nur folgende Formeln parat haben:

Gleichung 1:

  • M (Molmasse) = m (Masse) / n (Mole)

Gleichung 2 – Dreisatz:

  • 56 g = 100%
  • x g = 30 %
  • -> x = 30 x 56 g / 100 = 16,8 g

Gleichung 3 – Balling-Reaktionsgleichung:

  • CaCl + 2 NaHCO3 -> CaHCO3 + 2 NaCl + H2O + CO2

Molmassen der Ballinglösungen:

  • Teil A: CaCl*2H2O: 147 g/mol
  • Teil B: NaHCO3: 84 g/mol

Molmassen der Zielsubstanzen:

  • Ca: 40,1 g/mol
  • CaCl: 111 g/mol
  • NaHCO3: 84 g/mol
  • NaCl: 58,4 g/mol

Ausgleich von Defiziten

z.B. in einem 165 l Becken nach den Gleichungen 1 und 2:

Anheben von Ca um 10 mg/l in 165l: 1,65 g Ca benötigt -> 1,65/40,1*147,0 = 6,05 g CaCl*2H2O -> 6,05*1000/73,5 = 82 ml von Lösung A

Anheben von KH um 1 ° dH in 165l: (Angabe von TM, s.o.) 2800 °dH/l / 165l = 17 ° dH -> 1000/17 = 59 ml von Lösung B

Der Verbrauch ist also in ml relativ hoch. Da Ionenlösungen ewig haltbar sind, macht es, wenn im Unterschrank wenig Platz ist, also Sinn, gleich größere Mengen in Kanistern im Keller anzusetzen, z.B. 10l:

  • CaCl*2H2O: 735 g
  • NaHCO3: 840 g
  • NaCl-freies Salz: 250 g

Muss man bei der Zudosierung von Lösung A oder Lösung B auch Lösung C zudosieren? Und wenn, wieviele ml?

grundsätzlich nein, ausser man will auch gleichzeitig (stöchiometrisch) Mg mit anheben und den Spuriverbrauch ausgleichen

Nach Gleichungen 1,2 und 3 ergibt sich dann:

Zugabe von 59 ml KH-Lösung (=1000/59=4,96g NaHCO3 -> 0,059 mol NaHCO3 = 0,059 mol NaCl *58,5 g/mol = 3,45 g NaCl = 70% des Dichteanstiegs -> 3,45*30/70=1,4785g durch Lösung C -> 1,4785*1000/25=59 ml.

-> q.e.d.

d.h. man müsste immer die gleiche Menge an Lösung C zusetzen, die man von Lösung A oder B zugegeben hat!

(wenn man nach obiger Dosieranleitung die Ballingsalze angesetzt hat)

Wie begegne ich dem Dichteanstieg bei der Ballingmethode?Den Dichteanstieg durch die NaCl-Zudosierung der Ballingmethode (NaCl entsteht neben CaHCO3 und CO2) muss man ausgleichen: Wenn man 1l der original Balling-Lösungen zudosiert mit 73,5 g Calciumchlorid-Dihydrat je Liter, 84 g Natriumhydrogencarbonat je Liter und 25 g NaCl-freiem Meersalz je Liter, dann beim nächsten Wasserwechsel je Liter dosierter Lösungen 41,5 g Meersalz weglassen oder 1,1 l Meerwasser aus dem Aquarium entnehmen und durch Umkehrosmose-Wasser ersetzen. Soweit die berechnete Theorie. Aufgrund von weiteren Salzausträgen wie z.B. durch Abschäumung kann die zu reduzierende Menge an Meersalz aber abweichen. Daher einfach regelmäßige Dichtemessungen durchführen und beim Wasserwechsel mit berücksichtigen. Hierzu z.B. einfach das Tool bzw. die App „Aqua Calculator“ benutzen. Generell wird man durch die Ballingsalze weniger Meersalz in den Wasserwechseln benutzen müssen.

So, ich hoffe, der Ausflug in die Balling-Chemie war nicht zu anstrengend. Damit schließe ich dieses „Profi-Tutorial“ mal und hoffe, dass die Aufrechterhaltung einer idealen Meerwasserchemie nun keine Schwierigkeit mehr für euch sein wird. Damit ist ein wesentlicher Baustein für die erfolgreiche Steinkorallenhaltung geschaffen! Next: „Easy-to-go SPS Aquarium“ – Besatzvorschläge für Einsteiger in die Pflege von kleinpolypigen Steinkorallen“.

Jetzt mal konkret – Checkliste für die Erstanschaffung

Beschluss gefasst? Es soll ein Meerwasser-Aquarium in die eigenen 4 Wände einziehen? Gratulation! Doch was wird überhaupt alles zum Start benötigt? Eine Checkliste mit ersten wichtigen Orientierungshilfen für eine Basisausstattung unabhängig vom verwendeten System und Vorschlägen von Produkten bzw. Herstellern findet ihr hier…

Checkliste für die Erstanschaffung:

  • Aquarienbecken, geeignet für Meerwasser
  • Unterschrank
  • i.d.R. Technikbecken für Unterschrank mit Rückförderpumpe
  • Beleuchtung
  • Strömungspumpe(n)
  • i.d.R. Abschäumer
  • Osmoseanlage mit Reinstwasserfilter (empfohlen für Becken >60 l)
  • Heizstab
  • Kühlsystem (je nach Jahreszeit und zu erwartender Zimmertemperatur)
  • Meersalz von guter Qualität („Pro“-Salze für Steinkorallenpflege empfohlen)
  • Riffgestein (Lebendgestein, Todgestein, Riffkeramik oder fossile Aragonitgesteine)
  • Bodengrund (Live Sand vs. totem Korallenbruch/Sand)
  • Starterbakterien (empfehlenswert)
  • Thermometer
  • Salinitäts-/Dichtemesser: Aerometer oder Refraktometer
  • Magnet-Scheibenreiniger
  • Meerwasser-geeignete Testkits / alternativ Photometer: Ammonium, Nitrat, Nitrit, pH, Phosphat (im Verlauf noch Ca, KH, Mg)
  • Absorber für den Notfall: Phosphatabsorber und Aktivkohle mit Filtersäckchen
  • Filterschwämme grob und fein
  • Korallenkleber, ggf. Riffmörtel
  • erweiterte Technik: Verlängerungskabel mit Multisteckdosen, Zeitschaltuhren – oder Steckdosen, 2-3 10l-Eimer, Schlauch für Wasserwechsel, mehrere Kanister 15-20l um Meerwasser anzusetzen, ggf. kleinere Kanister 1-5l zum Ansetzen von Ballinglösungen
  • Versicherung gg. Wasserschäden (Gebäude + Hausrat)

Und, hättet ihr an alles gedacht??? Wenn man so eine Beckenplanung mal durchspielt, fällt einem in seinem speziellen Fall sicher noch einiges mehr an, was man für sein Becken zudem an Technik bzw. Ausstattung haben möchte. Ich habe mich bei der Checkliste erstmal an den wichtigsten und essentiellen Geräten orientiert, die ich jedem Einsteiger in die Riffaquaristik empfehlen würde. Aus Bequemlichkeit oder technischer Affinität greifen viele sicher auch relativ schnell zu weiterer Technik wie z.B. einer Osmoseanlage zum automatischen Nachfüllen von Osmosewasser wegen Verdunstung oder einer Dosieranlage zur Dosierung der Ballinglösungen. Beide technischen Hilfsmittel nehmen dem Aquaristen nicht nur die täglich notwendigen Dosierungen am Becken und sorgen damit für einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Riff (mehr Zeit zum Beobachten und Staunen), sondern verbessern auch die Wasserchemie als eine der 3 Säulen der Meerwasseraquaristik (s. entspr. Blogeintrag), indem sie die wichtigsten Wasserparameter (Salinität und Kalkhaushalt) über 24h stets auf konstantem Level halten. Allerdings kommt man auch ohne Osmoseanlage und Dosierpumpe klar, sodass der Einsteiger die Kosten häufig einige Monate nach hinten schiebt und das auch zu Recht.

Die Checkliste ist ganz schön lang – warum eigentlich?

Erklärungen zu den einzelnen Punkten mit einigen (natürlich nur aus meiner persönlichen Sicht empfehlenswerten) Kauftipps…

Aquarienbecken und Unterschrank

…die Notwendigkeit erübrigt sich, wenn man ein Aquarium haben möchte, denke ich…

  • Einkaufstipp 1: Fertig-Kombinationen wie z.B. die Reefer-Serie von Red Sea (Vorteil: Tolle Becken mit Unterschrank, Technikbecken und Verrohrung, Technik kann individuell hinzugefügt werden), oder die Incpiria Serie von Eheim, kostengünstig sind die Nano Becken von Dennerle oder auch die Becken von AquaMedic (z.B. Blenny, Cubicus).
  • Einkaufstipp 2: Edel-Lösung ist natürlich ein Custom-Made Aquarium mit Unterschrank vom Aquarienbauer.

Technikbecken mit Rückförderpumpe

…halte ich für äußert sinnvoll, auch wenn die Anschaffung gewisse Risiken (wie z.B. den Wasseraustritt aus der Verrohrung) mit sich bringt. Unter dem Strich wird jeder Aquarist, dessen Becken größer als 60l ist irgendwann im Verlauf des Beckenlebens – und zwar wenn bei Problemen schnell gehandelt werden muss – die Möglichkeiten des Einbringens z.B. eines größeren Abschäumers oder von Filterkohle/Absorbern oder eines Wirbelbettfilters zu schätzen wissen. Zudem ermöglichen viele Technikbecken den Osmosewasservorrat und das Zudosieren von Ballinglösungen oder Spurenelementen, ohne dass diese an einer bestimmten Stelle direkt im Aquarium eingebracht, dessen Bewohner durch zu hohe Lokalkonzentrationen schädigen können.

  • Einkaufstipp 1: fertige Beckenkombinationen mit Showtank und Technikbecken, z.B. Red Sea Reefer-Serie, Eheim Scubacubes oder Incpiria-Serien
  • Einkaufstipp 2: Für den Edel-Aquarianer mehr als einen Blick wert sind die Edel-Technikbecken von Royal Exclusiv („Dreambox“). Rückförderpumpen: Eheim Compact+ (leise, hoher Stromverbrauch – ab 2000 l/h), Royal Exclusiv (Mini) Red Dragon (teuer, leise, sparsam – ab 2800 l/h), Ecotech Vectra (steuerbar mit Reef Link im Ecotech-System – ab 7500l/h)

Beleuchtung und Strömungspumpe(n) sowie Abschäumer

…elementare Technik zur Erhaltung/Schaffung eines lebensechten und naturnahen Korallenriffs (s. Blogeintrag „Die 3 Säulen der Meerwasseraquaristik“. Hier bitte unbedingt auf hochwertige Technik achten, lieber einige Euros mehr ausgeben!!!

  • Einkaufstipp Beleuchtung: LED-Beleuchtung von Eheim (Eheim LED Stripes) – modular, passiv gekühlt, unter Abdeckung zu benutzen und kosteneffektiv, leider nur full spectrum und actinic blue. Aqua LEDs -> custom made und sehr gute Beratung, tolle Abstrahlwinkel und starkes Korallenwachstum. Passiv gekühlt und mit Steuerung. Ecotech Radion LEDs: aktiv gekühlt, tolles Farbspektrum, voll steuerbar und per Reef Links kombinierbar mit Vortech Strömungspumpen oder weiteren Lampen als modulare Kombination.
  • Einkaufstipp Störmungspumpen: Ecotech Vortech Quite Drive für die gehobenen Ansprüche oder Tunze Pumpen für das low budget als klassische Strömungspumpen. Ultra low budget aber von vielen Aquarianer gelobt für ein super Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Pumpen von Jebao. Ein absolutes Highlight sind aber die neuen Gyre Strömungsgeneratoren von Maxspect, sie erzeugen eine ultra-lebensechte Wellenströmung („Gyre-Flow“) im ganzen Becken, sind leise und sollten bei jeder neuen Beckenplanung zumindest in die engere Auswahl einbezogen werden.
  • Einkaufstipp Abschäumer: Nyos Quantum Abschäumer-Serie – gute Qualität, sehr leise, nicht optimal einzustellen; Deltec SC 1351 – leise, super einzustellen, top in Preis-Leistung (350-600 l je nach Besatz); Luxusvariante: Royal Exclusiv Abschäumer (allerdings erst für Becken ab ca 250 l und relativ große Technikbecken passend) – sehr leise, top Leistung, sehr teuer

Osmoseanlage mit Reinstwasserfilter (empfohlen für Becken >60 l) und Meersalz

…Ausgangswasser (Osmosewasser) von reinster Qualität ist die Grundvorraussetzung für das Ansetzen von Salzwasser/Meerwasser mit einem guten Riffsalz. Wenn noch Nährstoffe im Osmosewasser nach der Anlage verbleiben (z.B. Nitrat oder Silikat), kann auch mit besten Riffsalz kein gutes Meerwasser zusammengerührt werden. Die Ansschaffung einer Osmoseanlage lohnt sich im Laufe der Zeit sicher bei Becken >60l, da hier das ständige Wasserschleppen vom Händler sonst zu aufwendig wird. In den meisten Regionen von Deutschland wird zur Herstellung von reinstem Osmosewasser auch ein Reinstwasserfilter, der der Osmoseanlage nachgeschaltet wird, notwendig sein, um auch Silikate u.a. Ionen restlos aus dem Osmosewasser zu entfernen.

  • Einkaufstipp: Dupla RO 270 Osmoseanalge mit Dupla Reinstwasserfilter oder Vertex Puratek 100 RO/DI für die gehobenen Ansprüche mit einem besseren Brauch:Abwasser-Verhältnis
  • Einkaufstipp Meersalz: Tropic Marin Pro Reef (ideale Ca-/KH-/Mg-Konzentrationen sowie alle Suprenelemente, die notwendig sind für ein anspruchsvolles Riffaquarium), dadurch perfekt auch für die Kombination mit der klassischen Balling-Methode geeignet

Heizstab und ggf. Kühlsystem sowie Thermometer

…ihre Notwendigkeit ergibt sich aus der Wichtigkeit, im typischen Riff-Becken eine Temperatur zwischen 23 und 27°C einzuhalten. Absolut lebenswichtiger Parameter. Merkregel: Kühlen ist teurer als Heizen. Und die übrige Technik (Lampen, Strömungspumpen, etc geben indirekt Wärme ab und heizen daher mit.

  • Einkaufstipp Temperaturcontroller: Aqua Medic T Controller Twin – kann Heiz- und Kühlgerät steuern und Temperatur konstant halten
  • Einkaufstipp Heizen: Eheim Jäger Heizstäbe
  • Einkaufstipp Kühlen: Tunze Aquawind Lüfter

Riffgestein und Bodengrund sowie Starterbakterien

…bevor das Meerwasser ins Becken kommt, wird Aquascaping gemacht: ein toller Abschnitt beim Einrichten eines Riffbeckens, da man hier der Phantasie und eigenen Schaffenskraft freien Lauf lassen kann. Hierzu wird Gestein (große Auswahl unterschiedlicher Gesteine mit Vor- und Nachteilen) sowie Sand bzw. Korallenbruch benötigt. Achtet beim Sand darauf, welche Lebewesen (z.B. grabende Seesterne oder Grundeln) einziehen sollen und entscheidet danach über Körnungsgröße sowie Schichtdicke des Sandbetts. Starterbakterien sind empfehlenswert, um die Einfahrphase zu verkürzen. Hierzu dient auch die Verwendung von Lebendgestein anstelle von toten Riffgesteinen oder Riffkeramik und stellt daher im Moment noch den Goldstandard bzgl. Riffgestein dar. Im Kommen sind aber fossile Aragonitgesteine, die in Steinbrüchen abgebaut werden und mit inaktivierten Bakterienkulturen im Labor beimpft werden, die unter Wasser wieder aktiv werden. Damit schon man die Umwelt und den Abbau von intakten Korallenriffen für die Gewinnung von Lebendgestein und ist vor unbewollten Plagen, die man sich mit dem Lebendgestein einschleppen kann, sicher.

  • Einkaufstipp Lebendgestein: idealerweise vorbestelltes frisches und selbst betrachtetes Gestein vom lokalen Händler. Alternativ: Sulawesi Lebendgestein von www.whitecorals.com
  • Einkaufstipp fossiles Aragonitgestein lebend: Real Reef Rock (z.B. www.reelreefrock.com)
  • Einkaufstipp Bodengrund: Preis Bora Bora Sand
  • Einkaufstipp Starterbakterien: Microbe Lift Special Blend und Nite-Out II

Salinitäts-/Dichtemesser

…neben der Temperatur ein weiterer essentieller Parameter im Riffaquarium: Das Einhalten einer Salinität von 33-35 Promille bzw. der korrespondierenden Dichte (temperaturabhängig!). Ohne gutes Messinstrument nicht möglich.

  • Einkaufstipp: Dupla Marin Präzisions-Aerometer

Magnet-Scheibenreiniger

… um den Durchblick zu bewahren.

  • Einkaufstipp: Tunze Care Magnet Long

Meerwassergeeignete Testkits

… was war nochmal eine der 3 Säulen der Meerwasseraquaristik? Ach ja, die Meerwasserchemie! Wie soll man diese korrekt einstellen ohne gute und verlässliche Testkits für die einzelnen Parameter? Für den Anfang reichen Ammonium, Nitrat, Nitrit, pH, Phosphat aus. Bei Besatz mit Steinkorallen (LPS oder SPS) müssen auf jeden Fall auch Ca, KH und Mg regelmäßig getestet werden.

  • Einkaufstipp: Kits empfohlen in der Wasserparameter FAQ von Martin Kuhn (keine fertigen Zusammenstellungen kaufen). Empfehlenswert für die Phosphat-Messung ist das Hanna-Photometer (genau, schnell und valide)

Absorber

..der Rettungsanker für den Notfall: Phosphatabsorber und Aktivkohle. Wenn es plötzlich Probleme gibt, ist häufig ein plötzlicher Phosphatanstieg z.B. durch  einen absterbenden Riffbewohner verantwortlich, den man im Riff aber vllt. gar nicht sieht. Dann hilft nur das sofortige Einbringen von Phosphatabsorber. Diesen gibt es auf Eisenhydroxid- oder Aluminium-Basis. In der Regel empfehle ich hier GFO (granular ferric oxide), also Eisenhydroxid-basierte Absorber, da Eisen zum Teil frei werden kann, dieses aber im Gegensatz zu Aluminium im Becken eher fehlt und keine so rasch toxischen Effekte hat. Vorteil der aluminiumbasierten Absorber ist, dass sie gebundenes Phosphat nicht mehr wieder abgeben können.

  • Einkaufstipp Phosphatabsorber (GFO): Rowa Rowaphos – super ergiebig und hocheffektiv, reduziert auch Silikat gibt keine anderen Substanzen ans Wasser ab  (per ICP-OES bestätigt).
  • Einkaufstipp Aktivkohle: Deltec Ultra Carbon – auch für den Dauereinsatz geeignet, reduziert auch Phosphat, gibt keine anderen Substanzen ans Wasser ab (per ICP-OES bestätigt)

Filterschwämme und Korallenkleber

… um das Wasser von Schwebepartikeln zu reinigen und um Korallen einzukleben einfach notwendig. Eher grobe Schwämme bevorzugen, feine sind meist nur Nitratfallen und nicht sonderlich brauchbar. Schwämme regelmäßig (mind. 2x/Woche reinigen) oder ganz drauf verzichten.

  • Einkaufstipp Korallenkleber auf Epoxidbasis 2 Komponenten: Aqua Medic Reef Construct – nicht der billigste, bindet aber in einer guten Zeitspanne ab (ca. 3-5 Minuten), gibt so genug Zeit zum Formen und ist auch initial viskös genug, um den Korallen sofort Halt im Riff zu geben. Keine Gefahr für die Riffbewohner.

Erweiterte Technik

Verlängerungskabel mit Multisteckdosen, Zeitschaltuhren – oder Steckdosen, 2-3 10l-Eimer, Schlauch für Wasserwechsel, mehrere Kanister 15-20l um Meerwasser anzusetzen, ggf. kleinere Kanister 1-5l zum Ansetzen von Ballinglösungen. Diese Sachen braucht man einfach rund um das Aquarium herum, um für Wasserwechsel und das Ansetzen von Meerwasser- sowie Ballinglösungen gewappnet zu sein.

So, damit kommt schonmal sicher ins Hobby. Bleibt nur, euch happy reefing zu wünschen! Next: „Die Balling-Methode verstanden –  so funktioniert die wichtige Kalkversorgung im Riffaquarium“.