Easy-to go SPS-Korallen

Was sind „SPS Korallen“ und warum will sie jeder haben?

SPS steht für „small polyp scleractinians“, also auf Deutsch „kleinpolypige Steinkorallen“. Diese erfahren seit den 90er Jahren und der Einführung der Ballingmethode sowie von Calciumreaktoren einen absoluten Hype in der Meerwasseraquaristik. Zum Einen liegt dies sicherlich am Reiz des „Schwierigen“, denn SPS gelten als die am schwersten zu haltenden Steinkorallen. Außerdem besitzen sie durch ihre typischen Wuchsformen, knalligen Farben und kleinen Polypen doch ein ganz andere Wirkung im Meerwasserbecken als die bekannten und zu früheren Zeiten deutlich weiter verbreiteten Weichkorallen und LPS („large polyp scleractinians“). Aufgrund der häufig geringeren Nesselkraft sind sie zudem deutlich dichter nebeneinander zu platzieren als LPS, was zum Teil wahrhaft bombastische Riffgestaltungen zulässt. Zudem wachsen SPS schneller als LPS. Übrigens: eine klare Grenze in der Polypengröße ist zwischen LPS und SPS nicht festgelegt, da es sich bei den Begriffen mehr um aquaristische Laiennomenklatur als korrekte wissenschaftliche Systematik handelt. In der Tat verläuft die Grenze zwischen beiden Kategorien aber sehr fließend und sogar zwischen einzelnen taxonomisch definierten Steinkorallenfamilien und -gattungen hindurch. Manche Steinkorallen sind eigentlich gar keiner der beiden Kategorien eindeutig zuzuordnen (z.B. Gonioporas).

Trotz der grundsätzlich hohen Ansprüche an Störmung, Wasserqualität und Licht sind SPS aber eben gerade seit der Einführung von Methoden zur Stabilisierung des Calcium- und Karbonathaushalts im Meerwasserbecken gar nicht mehr unbedingt so schwer zu pflegen. Insbesondere einige Gattungen unter den SPS sind sogar absolut einsteigertauglich, da sie keine extrem hohen Anforderungen an Strömung und Bleuchtungsstärke haben. Zudem verkraften Sie zum Teil auch einmal schwankende Wasserwerte. Dass alle SPS nur unter einem Phosphatwert von 0,01 mg/l und einem nicht messbaren Nitratwert wachsen, ist zudem ein überholter Irrglauben. Manche extrem erfahrenen Meerwasserquaristen halten tolle SPS Becken mit Phosphatwerten jenseits von 2.0-3.0 mg/l (sehr lehrreich ist z.B. dieser Vortrag von Richard Ross von der MACNA 2014: https://www.youtube.com/watch?v=ZRIKW-9d2xI). Bei den Wasserwerten kommt es vor allem auf Stabilität und Kontinuität an.

Sicher ist jedoch, dass manche SPS Spezies deutlich verträglicher zu halten sind als z.B. viele Acroporas. Diesen speziellen SPS Korallen ist der aktuelle Blogartikel gewidmet.

Einfach zu pflegende SPS-Korallen

Montipora

Montipora gilt gegenüber der zweiten wichtigsten SPS-Gattung aus der Familie der Geweihkorallen („Acroporidae“), den Acroporas, als die einfacher im Aquarium zu pflegende Gattung. Es gibt derzeit 89 gültige Monti-Arten. Sie wachsen in unterschiedlichsten Wuchsformen, häufig auch blattförmig (foliös) oder riffbedeckend krustenartig – eine Besonderheit, die nur wenige Acroporas bieten. Die Wachstumsraten sind unterschiedlich, einige Monits wachsen jedoch extrem schnell. Gegenüber Acroporas haben Montis den Vorteil, dass sie auch in recht unreifen Becken gut wachsen. Hier könnte eine geringere Abhängigkeit von Kragengeißelzellen okkulter Schwammarten eine gewisse Rolle spielen.

Beispiele für tolle easy-to go Montiporas:

  • Montipora digitata (baumartiges, arborescentes bis digitates Wachstum; Fraben: blau, violett, türkis-grün, gelb)
  • Montipora foliosa (scheibenartiges „foliöses“ Wachstum; Farben: rot, gelb, grün)
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Tolle Montipora digitata in einer grün-türkis fluoreszierenden Farbmorphe unter Royal-blauer LED Beleuchtung.

 

Platzierung:

Montiporas benötigen ausreichend Licht und Strömung (Polypen sollten sich bewegen). Allerdings gedeihen sie auch bei etwas schlechteren Licht- und Strömungsverhältnissen, sodass sie häufig unterhalb von Acroporas platziert werden. Beachten sollte man, dass foliös wachsende Montis darunter liegende Korallen komplett abschatten können, daher lieber tief im Riff anbringen.

Pflegetipps:

Achten auf ausreichenden Kalzium- und KH-Wert sowie klares Wasser. Fütterung nicht notwendig, ob Montis davon profitieren ist unklar.

Fragmentierung:

völlig problemlos, Vorsicht ist beim Abbrechen geboten, lieber mit Zange oder Dremel an geeigneter Stelle vorsichtig schneiden

Seriatopora

Seriatopora gehören zusammen mit den anderen einfach zu pflegenden Gattungen, Stylophora und Pocillopora, zu der Familie der Becherkorallen (Pocilloporidae). Obwohl die gesamte Gattung der Pocilloporidae schnell wächst, schlägt Seriatopora die Wachstumsrate der anderen beiden Gattungen noch einmal um Längen. Dies gilt für beide wichtigsten Arten der Seriatoporas, die S. hystrix und die S. caliendrum. Erkennen kann man Seriatoporas an den „seriellen“, also gerade hintereinander aufgereihten Anordnung ihrer Koralliten (Polypennester).

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Grüne Seriatopora caliendrum – eine Koralle mit unheimlicher Wachstumsgeschwindigkeit. Darunter eine, wohlmöglich aufgrund Abschattung degenierende Acanthastrea lordhowensis.

Pflegetipps:

Aufgrund des extrem schnellen Wachstums muss man sehr genau auf die Calcium-, Magnesium- und Karbonatversorgung im Becken achten. Da bei hohem Seriatoporabesatz der Magnesiumlevel wachstumslimitierend sein kann, bietet sich hier die Verwendung von modernen Magnesium (und KH-)reichen Pro-Riffsalzmischungen für die Wasserwechsel an. Zudem sollte die Strömung wirklich hoch sein, da Seriatoporas aufgrund des schnellen Wachstums rasch zu großen Stöcken heranwachsen, die sehr dichte Äste bilden. Es sind Fälle beschrieben, wo ein ganzer Stock aufgrund von schlechter Durchströmung der inneren Korallenanteile von dort degeneriert und binnen 1-2 Tagen komplett abgestorben ist. Fragmentierung: leicht.

Pocillopora

Unter den Pocilloporas ist insbesondere P. damicornis eine extrem schnell wachsende und je nach Umgebungsbedingungen wandelbare Art. Sie gibt es häufig in gelblichen und pinken Farbvarianten. Zu achten ist auf eine starke Beleuchtung und regelmäßiges Zurückschneiden, da sich Pocilloporas sonst selbst abschatten und absterben können. Nicht in ganz frische Becken einsetzen. Andere Pocillopora-Arten sind etwas schwieriger im Aquarium haltbar und damit eher keine Einsteiger-SPS, am häufigsten anzutreffen sind noch P. elegans und -verrucosa. Farbmorphen häufig abhängig von Beckenbedingungen: pink, gelb, weiß, z.T. ineinander übergehend. Fragmentierung ist problemlos möglich.

Stylophora

Unter den Stylophoras ist insbesondere S. pistillata in einer pink-violetten Farbmorphe verbreitet, die auch als „Milka“ bezeichnet wird. Die Milka ist ebenfalls schneller wachsend als die meisten Acros, jedoch deutlich langsamer als Seriatoporas. Sie bildet sehr schöne dicke Skelettäste aus und ist daher schwerer zu fragmentieren als andere SPS Gattungen. Stylophora wachsen langsamer als Seriatopora und Pocillopora. Sie sind wie die anderen beiden Becherkorallen-Gattungen grundsätzlich pflegeleichte SPS, die auch einmal nicht ganz perfekte Wasserwerte sowie mittelstarke Beleuchtung akzeptieren.

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Tolle intensiv violette Stylophora pistillata („Milka“) in einem Nest von pumpenden Xenien.

Porites

Porites ist der Hauptvertreteder der Familie der Poritidae, der obwohl schon seit den 80er Jahren in der Aquaristik bekannt, nie so richtig große Verbreitung in dem Hobby gefunden hat. Dies mag an der doch häufig eher biederen, meist braunen Farbgebung der Porties liegen. Neben der Tatsache, dass sie jedoch sehr gut haltbar für SPS Korallen sind, macht sie jedoch auch eine weitere Eigenheit zu einer wahren Bereichung im Riffbecken: Sie kommen häufig in Symbiose mit kleinen, farbenfrohen Röhrenwürmern der Gattung Spirobranchus vor, die dann zahlreich aus ihnen „herausluken“. Zudem kommen ähnliche Lebensgemeinschaften mit Muscheln, Einsiedlerkrebsen oder Schnecken vor, die sich in den Höhlen der Kalkröhrenwürmer niederlassen oder vom Korallengewebe ernähren. Nicht erschrecken: Porites können sich „häuten“, indem sie ein Schleimsekret absondern, das in der Natur dazu dient, Sedimentablagerungen in der Gezeitenzone loszuwerden. Daher möglichst nicht mit direkt füttern! Sie sind etwas anspruchsvoller als die anderen hier vorgestellten Gattungen, benötigen eher starke Strömung und Licht, da sie sonst an der Basis zu Gewebedegeneration mit Fadenalgenbewuchs neigen.

Goniopora

Gonioporas gehören in die Familie der Portitidae. Zwar zählen viele Autoren sie zu den LPS, jedoch gibt es zahlreiche Gonios mit kleineren Korallitendurchmessern unter 5 mm, sodass sie gut auch als SPS oder gar nicht zu einer der beiden großen aquaristischen Steinkorallen-Kategorien klassifiziert werden können. Und sie bereichern ein easy-mode SPS Becken aufgrund ihrer länglichen Tentakel enorm! Diese unterscheiden sich durch ihre 24 Spitzen von den ähnlichen Alveoporas, die nur 12 Tentakel auf der Mundscheibe besitzen. Gonioporas sind grundsätzlich einfach zu halten und besitzen unterschiedlichste schöne Farbvarianten.

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Oberhalb des Röhrenwurms zwei tolle kleinpolypige Gonioporas, die sich in meinem Aquarium trotz schlechten Bedingungen im Händlerbecken super erholt haben.

Allerdings sollte man auf einen ausreichenden Anteil an Mangan im Meerwasser achten (ICP-Messung, wenn Gonioporas nicht gut stehen). Moderne Wasseranalysen haben gezeigt, dass der höhere Gehalt an Mangan in bestimmten europäischen Meersalzmischungen den Erfolg der Gonioporahaltung ggü. den USA erklären könnte. Zudem sollte man aufgrund der längeren Tentakel auf einen ausreichenden Abstand zu Nachbarkorallen achten. Allerdings nesseln Gonios nicht besonders stark. Eine Fütterung wirkt sich durchaus positiv auf Gesundheitszustand und Wachstum von Gonioporas aus. Nicht erschrecken: die Tentakel ziehen sich nach der Fütterung mit kleinem Plankton oder Staubfutter umgehend in das Skelett zurück. Gonioporas mit großen Korallitendurchmessern > 5mm gelten als schwerer zu halten sollten daher eher gemieden werden, tendentiell benötigen sie eher höhere Nährstoffkonzentrationen als die gut aquarienhaltbaren „SPS-ähnlichen“ Gonios.

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