Plankton im Meerwasseraquarium

Plankton – was ist das überhaupt?

Plankton (altgr. „das Umherirrende“) ist die Bezeichnung für frei im Wasser schwebende Organismen deren Schwimmrichtung von den Wasserströmungen vorgegeben wird. Hierzu gehören bakterielle, pflanzliche (Phytoplankton) und tierische (Zooplankton) Lebensformen mit meist wenigen Micrometern bis zum Teil sogar wenigen Metern Größe (Quallen zählen definitionsgemäß auch zum Plankton). Einzellige Kieselalgen machen den Hauptteil des Phytoplanktons aus, zudem zählen hierzu Grünalgen, Goldalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien (Blaualgen, eigentlich Bakterien). Es wird geschätzt, dass die durch Phytoplankton betriebene Photosynthese in den Weltmeeren für die Produktion von 50 bis 80 % des Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich ist. Phytoplankton vermehrt sich insbesondere in nährstoffreichem Wasser. Das Zooplankton ist wesentlich heterogener zusammengesetzt als das Phytoplankton und besteht hauptsächlich aus den Larvenstadien unzähliger Tierarten. Diese ernähren sich entweder von Phytoplankton oder kleinerem Zooplankton. Ruderfußkrebse der Gattung Calanus bilden zusammen mit Krill die Hauptmasse des Zooplanktons.

Plankton als Korallennahrung

Korallen sind mixotrophe Lebewesen – sie können auf zwei Ernährungsformen zurückgreifen, je nach zur Verfügung gestellter Quelle.  In erster Linie nutzen Korallen Kohlenstoffverbindungen als Nahrung, die Ihnen durch die symbiontischen Zooxanthellen mittels Photosynthese aus Licht zur Verfügung gestellt werden (autotrophe Ernährung). Zooxanthellen sind wiederum auf Licht und vorhandene Nährstoffe im Umgebungswasser angewiesen, u.a. Nitrat und Phosphat. Daneben sind Korallen als Filtrierer in der Lage, sich an Mikroplankton sowie Nährstoffen aus dem Umgebungswasser als Nahrungsquelle zu bedienen (heterotrophe Ernährung). Dieses Video zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise die Aufnahme von spezieller Korallennahrung durch LPS:

Insbesondere Kaltwasserkorallen, die in tieferen Gefilden von 40 bis zu 3400 m Meerestiefe leben und aufgrund des fehlenden Lichts keine Zooxanthellen (Azooxanthellaten, „Azoos“) besitzen, ernähren sich ausschließlich heterotroph.

Planktonfütterung im Meerwasseraquarium – macht das Sinn?

Phyto- und Zooplankton wird schon lange Zeit in der Aufzucht von Meerwasserfischen genutzt. Hierbei spielen insbesondere Artemia-Naupilen, Brachionus und Copepoden eine zentrale Rolle für die Aufzucht von Fischlarven. Auch für adulte Fische, insbesondere Nahrungsspezialisten wie z.B. Synchiropus splendidus u.a. Leierfische kann eine Fütterung mit lebendem Plankton (ausgewachsenen Artemien oder Tigriopus californicus („Tiggerpods“) eine wichtige Rolle spielen. Diese wird insbesondere in jungen Becken ohne nennenswerte eigene Planktonnachbildung relevant. Plankton kann aber auch als Korallennahrung genutzt werden. Diese aktive Fütterung hat in den letzten Jahren insbesondere bei LPS Korallen (z.B. Acanthastrea, Lobophyllia, Tachyphyllia) einen Trend ausgelöst. Hierzu kann sowohl lebendes als auch totes Phyto- bzw. Zooplankton an einer gut durchströmten Stelle in das Becken oder sogar gezielt mit der Futterpipette auf auf die jeweilige Koralle gegeben werden. Hierbei ist es ratsam die Strömung im Becken für mindestens 10 Minuten zu pausieren, damit die Schwebeorganismen nicht sofort von den Korallen wieder abgetragen werden und die Tiere genug Zeit haben, die Partikel über ihre Polypen aufzunehmen.

Doch macht diese Mühe überhaupt Sinn? Wie so oft im Bereich Meerwasser-Aquaristik streiten sich auch beim Thema „Korallenfütterung“ mal wieder die Geister. Mindestens genauso zahlreich wie Berichte, die ein verbessertes Polypenbild, eine ausgeprägtere Farbgebung und ein schnelleres Wachstum insbesondere bei LPS Korallen durch eine aktive Planktonfütterung proklamieren gibt es Gegner der Fütterung. Diese verweisen neben dem fehlenden nachgewiesenen Nutzen aufgrund der vorwiegend autotrophen Ernährungsweise der in den meisten Riffbecken beheimateten Korallen vor allem auf die möglichen schädigenden Einflüsse des Futtereintrags in das Ökosystem Meerwasseraquarium. Hierzu zählt ein Anstieg der Nährstoffe wie Stickstoffverbindungen (Nitrat, Nitrit, Ammonium) und Phosphat ebenso wie ein möglicher Eintrag von Stoffen, die neben dem Plankton in den diversen Präparaten der Herstellen enthalten sind. Das sind neben Spurenelementen wie Lithium oder Zink auch Schwermetalle wie Kupfer, die bereits in relativ geringen Mengen gefährlich für das Becken werden können.

Abhilfe kann hier eine ICP Testung bieten, die z.B. bei Triton (https://www.triton-lab.de) durchgeführt werden kann. Befinden sich hierbei keine Elemente im gefährlichen Bereich und profitieren die Korallen nach dem persönlichen Eindruck von der Fütterung, spricht sicherlich nichts dagegen, diese unter regelmäßigen ICP Kontrollen (ca. alle 3 Monate) fortzuführen. Je nach Beckengröße kann es nämlich durchaus zu einer Akkumulation gefährlicher Stoffe im Laufe der Zeit kommen. Generell gilt, dass eine ausgewogene Fütterung von Korallen relativ schwer zu erzielen ist und sehr vorsichtig durchgeführt werden sollte. Nitrat und Phosphat sollten in engeren zeitlichen Abständen (je nach Beckengröße z.B. 1x/Woche) kontrolliert werden. Die Fütterung ist dann bei einem nennenswerten Nährstoffanstieg auszusetzen oder zu reduzieren. In Becken mit Azooxanthellaten ist eine hohe Futterdichte planktonischer Organismen natürlich absolut notwendig, um die Korallen am Leben zu halten.

Einen Anstieg der Planktondichte kann man aber auch natürlich erzielen, z.B. mit Refugien, Pelletreaktoren, größeren Mengen an Lebendgestein bzw. durch eine gute ausgereifte Beckenfauna bei ausgewogenem Beckenbesatz. Diese Methoden der kontinuierlichen Planktonnachbildung im Becken bzw. Filtersumpf, die mit dem Planktonverbrauch durch Korallen, niedere Tiere und Fische im Gleichgewicht stehen, sind meiner Meinung nach immer der Zufütterung von Plankton von außen vorzuziehen. Allerdings ist dies auch die Königsdisziplin der Meerwasseraquaristik, nämlich ein stabiles Ökosystem zu schaffen. Überwiegen Planktonkonsumenten bei sehr guten Wasserwerten und stehen bestimmte Korallen (insbesondere Azoos/LPS) nicht gut im Becken, ist die Zufütterung von Phyto-/Zooplankton aber durchaus einen Versuch wert.

Welches Korallenfutter / Plankton soll ich verwenden?

Es gibt unzählige verschiedene Korallenfutter / Planktonpräparate nahezu aller Hersteller auf dem Markt, sodass ich ohne auch nur annähernd die gesamte Produktpalette selber getestet zu haben, keine vollumfassende Aussage zu dieser Frage machen kann. Im Laufe der Zeit kann ich aufgrund eigener Erfahrungen oder der Erfahrung sehr vertrauenswürdiger Quellen folgende Produkte durchaus empfehlen kann:

  • Nyos Reef Pepper / Instant Plankton: getrocknetes Phytoplanktonkonzentrat, das aufgrund von Lufteinschlüssen lange in der Wassersäule bleibt; wird direkt von Filtrierern und insbesondere LPS aufgenommen und kurbelt die Phytoplanktonentstehung im Becken an; nach meiner Erfahrung kein relevanter Eintrag von schädlichen Nährstoffen oder Schwermetallen, enthält auch Vitamine; mein Fütterungsvorschlag: Zugabe von 1 Löffel 1x/Woche oder 1x alle 2 Wochen.
  • Fauna Marin LPS Grow + Color: LPS Granulatfutter zum direkten Füttern von LPS wie Acanthastrea, Gorgonien; teilweise mit sehr positiven Effekten und ebenfalls ohne schädigende Begleitsubstanzen.
  • Lebende Artemien (selbst gezüchtet): verwende ichIMG_2059 als Ergänzung zu Frost-Artemien, die meine Fische sehr lieben und ja auch von größeren LPS und Anemonen gerne angenommen werden. Zu empfehlen sind hier qualitativ hochwertige Artemia-Eier der Qualitätsstufen „AF“ oder „Platinum“ (z.B. von Algova), da sie mehr Zysten pro Gramm enthalten und zudem einen höheren Gehalt an hochwertigen Fettsäuren aufweisen. Nach dem ersten Öffnen sollten die Eier in kleineren Gefäßen eingefroren
    erden, um eine hohe Schlupfrate zu erhalten.
  • Lebende Tigriopus californicus („Tiggerpods“):  benutze ich ab und zu um die Ernährung z.B. für meine Leierfische reichhaltiger zu gestalten; entweder selbst gezüchtet, bei gut sortiertem Meerwasserhändler oder z.B. bei Aquacopa (www.aquacopa.de) zu bekommen. Letztere Firma hat sich auf die Herstellung von lebendem Plankton spezialisiert (Beutel mit hoher Dichte lebender Organismen).
  • IMG_2283Tropic Marin Reef Mud Vital: Special Tipp (kein Plankton im engeren Sinne)!; wird aus natürlichen Schlammfeldern im Pazifik gewonnen, die vereinzelt in ca. 10-15 m Tiefe in der Nähe von Korallenriffen  vorkommen; belebt die Bakterienflora und führt Mikronährstoffe und Mineralien in natürlicher Konzentration dem Becken zu. Meine Dosierung: alle 1-2 Wochen einen Löffel in etwas Beckenwasser auflösen und abends zugeben. Keine Ansammlung von Schadstoffen, da natürliches Produkt. Führt nach initialer Beckentrübung zu deutlich klarerem Beckenwasser.
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